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hatte er doch nicht vermocht, die schwere Fessel des Hofes abzuschüt-teln, selbst als er diesen in allen Gräueln versunken sah: nun aberentsagte er muthig einem Leben, das in zu grellem Widerspruch mitseinen Lehren stand. Sabrius Flavius, ein Heertribun, antwortetdem Kaiser, der ihm vorwirft, daß er seinen Schwur gebrochen: KeinSoldat war dir treuer ergeben als ich, so lange du es verdientest;aber ich haßte dich von dem Tage an, wo ich in dir den Mörderdeiner Mutter und deines Weibes, den Wagenlenker, Schauspielerund Brandstifter sah. Diese Antwort war dem Nero empfindlicherals die ganze Verschwörung. Sulpicius Aper entgegnete auf dennämlichen Vorwurf: Weil ich kein anderes Heilmittel für deine Ver-brechen kannte. Der Consul Vestinus, von Niemanden angeklagt,aber von Nero gehaßt, befindet sich mit mehreren Freunden beimMahle, als ein Heertribun ihn zu sprechen verlangt. Er geht hin-aus, und wird sofort in ein Gemach geführt, wo man ihm die Adernöffnet, ohne daß er einen Klagelaut ausstößt. Und so wurden vielehingeopfert, deren Untergang häufig den ihres ganzen Hauses, dieSklaven nicht ausgenommen, nach sich zog. Dabei ertönten aus allenTempeln Dankeshymnen, und die nächsten Anverwandten der Ver-urtheilten beeilten sich, ihre Häuser mit Blumen zu schmücken unddie Hand Nero's zu küssen, der sich nicht minder verschwenderischmit Belohnungen als mit Bluturtheilen bezeigte (66).
Auch Poppäa selbst ward von diesem Wütherich nicht verschont,der ihr, als sie schwanger war, einen Fußtritt gab, was ihren Todherbeiführte. Nachher bereute er die That, ließ die Geliebte einbal-samiren, zur Göttin erheben und befahl, ihr zu Ehren so viel Rauch-werk, als Arabien in einem Jahr hervorbringen könne, zu verbrennen.Sodann stürzte er sich abermals in den Strom des Verbrechens, umsich zu vergessen. Der Senator Thrasea Paetus war gleichsamein lebendiger Vorwurf für so viele Gräuel, denn während Alle vordem kaiserlichen Scheusal krochen und schmeichelten, hatte er seinzurückhaltendes Schweigen nicht gebrochen. Als der Senat Entschul-digung und Belohnung des Mordes der Agrippina beschließenwollte, verließ er die Curie. Von den kaiserlichen Gaukeleien hielter sich stets ferne, erschien nicht beim Leichenbegängniß der Poppäa,benahm sich überhaupt so, wie seder ehrliche Mann unter einer schlech-ten Regierung sich benehmen sollte, weßhalb ihn auch das römischeVolk verehrte. Als nun endlich seine Stunde schlug, und er angeklagtward, forderte er sein Weib dringend auf, für ihre Kinder zu leben,ließ sich die Adern öffnen, und den Quästor, der ihm seine Verur-