Band 
Fünfter Band.
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die nur darum Duldung predigen/ um berechtigt zu sei«/ jede Mei-nung/ die sich nicht dazu erniedrigt/ ihrer gleich unsinnigen Gleich-gültigkeit und Kühnheit zu schmeicheln/ anzugreifen; doch fühlenwir in uns den Muth/ hoch eine Stirne zu txagen/ welche vordenen/ die spotten und verläumden/ kaufen und verkaufen/ zitternund Furcht einflößen/ nicht zu errathen braucht. Statt unsereAnsichten zu verbergen/ wollen wir sie lieber an den Tag geben,wie sie sind/ und mit offenem Visir der Tyrannei der Vorurtheilcaller Art trotzen.

Die Kirchengeschichte nimmt in der Zeit/ an deren Pfortenwir flehen/ den Platz ein, welchen die römische Geschichte in denvorhergegangenen Jahrhunderten eingenommen/ und wir werdenreichlich daraus schöpfen. Hoffentlich betrachtet sie jetzt Niemandmehr als die dem Klerus allein zustehende Aufgabe/ sein aus-schließliches Vorrecht: warum sollte auch der Laie die heiligeSchwelle nicht überschreiten und Menschen und Dinge mit jenerFreimüthigkeit und jener vernünftigen Hochachtung/ die an dieStelle der »«gründlichen Geringschätzung oder blinden Vergötte-rung zu setzen wohl an der Zeit ist/ beurtheilen dürfen?

Das/ wenn auch seinem Wesen nach unveränderliche/ Christen-thum trat äusserlich nicht immer in derselben Form auft bewahrtezwar stets den nämlichen Glauben/ die nämliche Hoffnung/ dienämliche Liebe, folgte dabei aber sorgsam den Schritten derMenschheit. In den ersten Jahrhunderten kämpfte es mit Blurund mit seinen Lehren/ um eine neue Gesellschaft auf dem zer-bröckelnden Grunde der alten aufzubauen: im 17. Jahrhundertzeigte es den wahren Einklang der Wissenschaft und Gesellschaft/ward vom ungetrübten Auge als Hebel der Welt erkannt/ undherrschte im Reiche des Geistes: in unserem Jahrhundert ist esberufen/ Schmerzen zu heile»/ die dem tief innerlichen Glaubenvergangener Zeiten unbekannt blieben/ im Glauben einen bergen-den Hafen darzubieten den stürmischen Doktrinen / den unfrucht-baren Bewegungen/ den bittern Selbsttäuschungen des Geistes.Im Mittelalter fehlte sowohl jene heitere Ruhe/ als diese groß-artige Regelmäßigkeit; den ungebildeten und sinnlich rohen Na-tionen würde der strenge Typus des nackten Kreuzes keine Be-friedigung gewährt haben: da hatte die Religion an allen Wech-selfällen des Lebens/ allen Vorspiegelungen der Einbildungskraft/allen Erschwungen des Herzens Antheil zu nehmen/ den Menschenmit den Sinnen zu ergreifen; daher die übernatürlichen Mani-