73
welche die Geschichte poetisch gestalten wollte/ und in Ermange-lung zeitgenössischer philosophischer Erzähler sich bestrebte/ derDarstellung/ wie der Kunstausdruck heißt/ die Lokalfärbung zugeben/ Schritt vor Schritt den Quellenschriftstellern folgend/ jasie kopirend. Es ist dies eine Reaktion gegen die Geringschätzungder Chronikenschreiber und man muß gestehen/ daß mitunter einlebenswahres Bild der betreffenden Zeit daraus hervorgeht. Ab-gesehen indeß vou der Gefahr/ sich durch die Poesie der Chroni-ken verführen zu lasse»/ paßt diese Methode überhaupt nicht fürdie Universalgeschichte/ welche/ da ihr Hauptverdienst darin beste-hen muß / die ganze Menschheit mit gleicher Theilnahme zu um-fassen und die Darstellung ihrer Schicksale auf derselben Höhe zuhalte»/ nicht genöthigt sein darf/ ihren Ton nach den Schrift-stellern und Ländern zu wechseln.
Auch von jener Schule habe ich mich losgesagt/ welche/ umals unparteiische Bcrichterstarterin der Thatsachen zu erscheinen/die Gefühle des Christen/ des Staatsbürgers/ selbst des Menschenverläugnet und das Wahre/ wo sie es sagen muß/ allen Reizesentkleidet. Hört man/ wie sie mit einer Kälte Geschichte erzählt/die einem abgehärteten Anatomen/ der eine Section beschreibt/Ehre macht/ so wundert man sich darüber/ daß mit so viel Ruhevorgetragene Ereignisse die Welt zu bewegen vermochten. Nachder Unparteilichkeit dieser Schule will ich streben/ doch vermagich nicht/ eine mir fremde Uncrschütterlichkeit zu affektiren. Ichhabe die Sentimentalität wie den schwülstigen Zorn zu vermeidengesucht; doch werde» Stellen vorkommen/ die ich mit Thränenin den Augen schrieb; ich erzählte Schicksale/ die mir den Schlafraubten/ Ungerechtigkeiten / die mich aufregte»/ als wenn ich sieselbst zu erdulden gehabt hätte.
Uebrigens müssen mein Buch und meine Methode sich durchsich selbst rechtfertigen. Ich hielt eS für nothwendig/ vor meinenLesern die Grundsätze darzulegen/ aus denen sie hervorgehen;an ihnen ist eö nun/ zu beurtheilen/ ob diese Grundsätze dierechten sind/ ob es mir gelungen ist/ nach der vorzugsweise imAuge behalteuen höhern geistigen Ordnung/ wenn auch der Chro-nologie wegen die allgemeine Verkettung der Thatsachen nichtdurchbrechend/ so wie ich eS mir vorgesetzt/ die Forderungen derErinnerung/ des GeisteS/ der Vernunft und des Gemüthes zu ver-einbaren.
Es gibt eine gewisse Gattung leidenschaftlicher Leser/ welche