Band 
Fünfter Band.
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werft die falschen und die wahren Gläubigen verfolgten, den blin-den Instinkt der Streitsucht und der Ketzerei unterhielten *). Zu-gleich war es die Laune des Hofes, welche über die Wahl undden Wechsel der Statthalter in den Provinzen, die kaum die Zü-gel und den Schutz dieser eben so schwachen, als pomphaften Re-gierung empfanden, entschied.

Wie der Hof, so artete auch das Volk immer mehr aus; eöhatte für nichts mehr Sinn als für subtile, den gelehrtesten Theo-logen kaum zugängliche Streitfragen, außerdem nur noch für dieTheater, besonders die Wettrennen des CircuS Theilnahme. DieWagenführer im CircuS zeichneten steh Anfangs durch die Farbenroth und weiß ans; später kam auch grün und blau hinzu undman theilte die Wettstreitenden in vier Haufen. Der EnthustaS-muS, mir dem die Menge für die Einen oder Andern Partei nahm,artete in'S Unglaubliche aus: aus den Kämpfen zwischen Wagen-lenkcrn zog man Vorbedeutungen jeder Art, fand sogar in denFarben das Symbol der Jahreszeiten oder selbst der Elementeund las in dem Siege der einen oder der andern eine Entdeckungder Zukunft. So knüpften sich an die Farben des Circus die po-litischen und religiösen Fragen, so daß die Namen der Grünen,der Blauen u. s. w. die Bezeichnung für wirkliche Parteienwaren; indem noch die willkürliche Gunst des Herrschers und oft

*) „Eingenommen von einem Geiste des Stolzes und der Streitsucht, lassensie dc» gesunden Verstand nicht auskommen: jeder Tag steht neue Snb-nlüälen cnlstehcn, Sie mischen in alle Lehren irgend eine metaphysischeTräumerei, welche die evangelische Einfachheit erstickt. Zudem sie zugleichPhilosophen und Christen sein wollten, waren sie keines von beiden. Sienöthigten dein Evangelium den Spiritualismus der Platoniker und dieTräume des Orients auf, und ausgerüstet mit einer unsinnigen Dialektikwollen sie theilen das Nmheilbare, durchdrungen das Undurchdringliche-,sie können nicht ertragen die göttliche Allgemeinheit gewisser Ausdrücke,die eine demüthige Gelehrsamkeit nimmt, wie sie sind. ohne sie zu um-schreiben. ans Furcht, etwas mehr oder weniger zu sagen, als in ihnenenthalten ist. Anstatt zu glauben, dispntirc man; anstatt zu bereit, wirdargnmenrirr. Die Hauptstraßen bedecken sich mit Bischöfen, welche zumEonzil eilen; die Posten des Reiches genügen kaum hiesür, ganz Griechen-land ist gewissermaßen ein theologischer PeloponncS, wo sich Atome umAtome schlagen; Dank diesen unverständlichen Sophisten wird die Kirchen-geschichte ein gefährliches Buch; Angesichts all dieser Thorheit, dieserLächerlicbkeitcn, dieser Wuth wauki der Glaube." D e Maistre, DomPapste. IV. !>.