Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

552

v. Antiochia, und nur sein Mangel an Muth ist die Ursache, daßer nach dem Tode des AlexiS nicht den Thron bestieg. SeinGcschichtswerk setzte seine Gattin Anna Komnena fort, welche,indem sie von den Fehlern ihres Vaters redet, ihre ehrgeizigenGesinnungen verräth, welche bei ihrem Gatten keinen Widerhall,bei ihrem Bruder keinen Widerspruch fanden. Neben der niedri-gen Mittelmäßigkeit der übrigen Byzantiner erscheint die GeschichteAn na's in etwas besserem Licht, und doch ist sie mehr als weibischgeschwätzig und bombastisch und die endlosen Perioden, im Ueber-maß gehäuften Bilder können die Hohlheit und Gedankenleerenicht verbergen; mit Gelehrsamkeit prunkend, wendet sie demStyle, der sich nicht selten bis zum Tone der Poesie versteigt,eine übergroße Sorgfalt zu, während das Thatsächliche vcrnach-läßigt ist. Die Demüthigung, welche ihr Vater sich gefallenließ, rechnet sie ihm als Tugend, als Bußfertigkeit an. DieKreuzfahrer mit ihren derben Sitten siößten dieser stolzen undgelehrt sich dünkenden Prinzessin einen großen Abscheu ein undihre rauh klingenden Namen wagte sie nicht einmal in griechischerSprache wiederzugeben. — Die Herrschaft dieser Krieger desKreuzes zu Constantinopel schildert Georg Akropolita. —Andere Byzantiner schrieben über die alte Geschichte und dieStatistik; so der schon erwähnte LydoS und der GrammatikerHerakles, welcher die 64 Provinzen und 935 Städte des grie-schcn Reiches beschrieb; aus der Chronik des HesychioS ausMiletos, welche von ByluS bis zum Tode deS Kaisers Ana-stasius sich erstreckte, ist ein kostbares Bruchstück über die Grün-dung ConstantinopclS erhalten.

Kaiser Constantin Porphyr ogenetoS beschrieb daS Lebenseines Großvaters Basiliu S v. Makedonien und richtete an sei-nen Sohn RomanoS eine Schrift über die Verwaltung desReiches, worin er von dem Ursprünge, den Sitten und Zügender Barbaren, mir welchen das Reich damals zu kämpfen hatte,handelte. Von den Nordländern sagt er: „Sie sind unersättlichgierig und verlangen ungeheuren Lohn für kleinsten Dienst, sodaß man ihren Forderungen mit Geschicklichkeit ausweichen muß.Wenn daher die Kazarcn, Türken, Russen und ähnliche Völkerkaiserliche Gewänder, Kronen oder andere Gegenstände von Werthverlangen, muß man ihnen antworten, diese Dinge seien nichtvon Menschenhand verfertigt, sondern Gott habe sie, als er da-selbstAen ersten christlichen Kaiser schuf, durch einen Engel nach