555
gehören zu den vorzüglichsten Dichtungen dieser Zeit; ste wollennachweisen, daß die in ihrem Ursprünge reine und philosophi-sche Götterlehre im Laufe der Zeit verderbt worden. Von demnämlichen Autor besitzt man eine „grammatikalische Chrestomathie",aus den alten Grammatikern gezogen, mit höchst schätzbaren Be-merkungen sowohl über das Leben der Schriftsteller, als über dieDichtungen verschiedener Gattungen, die größtentheilö verlorensind. — Dem Gregor v. Nazianz wird eine Tragödie überdaS Leiden Christi zugeschrieben, welche lediglich aus euripideischenHemistichen zusammengestellt ist. Solche schwierige Spielereien —der Ungrammatischen Odyssee haben wir oben, Eudoxia's Lob-gesang auf Christus in 2343 homerischen Hexametern schon frühererwähnt — waren damals in der griechischen wie in der lateini-schen Literatur sehr beliebt*).
Der beste Roman ist die „Geschichte von Theagenes v.Chariklea", um 390 von Heliodoros von Emesa in Phöni-zien, der später Bischof wurde, verfaßt. Dieses Werk mit neuenund wahrscheinlichen Ereignissen, schönen Episoden, natürlicherEntwicklung und guter Charakteristik wurde nicht nur von dennachfolgenden Dichtern, sondern auch von den Neuern zur Zeitdes Wiederauflebens der Literatur als mustergültig betrachtet.Die darin geschilderte keusche Liebe war eben etwas Neues fürjene Zeit. Von den vielen Nachfolgern sind nur erwähncnSwcrrhTatius v. Alcxandrien, der jedoch mit den „Abenteuern vonLeukippe und Klüophon" sein Vorbild nicht erreichte, und Lon guS,dessen kleiner Roman „DaphniS und Chlor" idillischen Reiz besitzt.
Aus der byzantinischen Zeit sind zu erwähnen Paulus;unter Ju stinian, Silentiarius, von dessen Werken die „pythi-schen Thermen" und die Beschreibung der St. Sophienkirche,
Falconia Prob» verfaßte ein aus Virgil geschöpftes Seilenstück zudem Gedichte der-Endoria. Namentlich zeichnete fich PnbliliusOctavianns Porphyrius durch solche Arbeiten aus. Von Con-stantin crilirr, setzte er sich bei demselben wieder i» Gunst durch Gedichtein Form eines Altars, einer Flöte, einer Orgel, oder in welchen dererste Theil des Hexameters sich im zweiten Theil des Pentameters wieder-holt. In einem Gedichte können die Verse von der Rechten zur Linkengelesen werden ohne Beeinträchtigung der metrischen Form; in einem an-dern Gedichte von 20 Versen bilden alle ersten Buchstaben die WorteImperator, alle vierzehnten OlementiHnius reetor, alleSchlnßbnchstaben Lonstantinus inviotus.