welche er bei der Einweihung dieser Kirche vorlas, nicht ohneWerth sind. GeorgioS v. Pisidien, Archivar v. Constantinopel,besang, jedoch mehr alS Historiker denn als Dichter, den Zugdes HerakliuS wider die Perser und den Krieg, welcher dieAvaren vor die Mauern der Hauptstadt führte. Ein gewisserChristoph schrieb eine Satyre auf die Leidenschaft des Religuien-sammelns.
Die ganze Literatur der Griechen aus den beiden Perioden,welche wir hier überschaut, zeigt uns, daß die Gelehrsamkeit etwasganz Eitles ist, wenn sie nichts anderes bezweckt als uns desSclbstdenkenS zu überheben. Sie lasen die größten Schriftstellerin ihrer eigenen Sprache und haben keinen einzigen wahrhaftneuen und fruchtbaren Gedanken, keine einzige wahrhaft philo-sophische Auslegung der alten Denker, keine Tragödie oder Ko-mödie, selbst keine Nachahmung von irgend welchem Werthe her-vorgebracht. Sie konnten mitunter klassisch schreiben, analysirtendie ästhetischen Schönheiten; aber die Seele, daS wahre Gefühlder antiken Würde entging ihnen, wie die menschliche Seele demSecirmesser der Anatomen entgeht, und nachdem sie in ihrenSchriftstellern die edelsten Ergüsse der Vaterlandsliebe gelesen,krochen sie feige vor ihren feigen Cäsaren und versteckten ihreJämmerlichkeit und Nichtigkeit hinter pomphafte Phrasen. Siebildeten sich ein, ihre römischen Vorfahren würdig nachzuahmen,weil sie mir Leidenschaft sich zu den Circusspielen drängten; sienannten sich Philosophen, weil sie in nichtigen Controversen Be-griffe spalteten; beredt , weil sie declamirten; gelehrt, weil sieeinige Uebcrreste der alten Weisheit aufwärmten. Der Lireratorfeierte unedle Thaten mit einem Aufwande klassischer Phrasen;die Feldherren fiohen mit homerischen Versen im Munde, und dieKaiser citirten Plato und Aristoteles, vermochten aber wederzur antiken Größe sich zu erheben, noch der minder glänzenden,aber fruchtbareren Lehre Christi mit Demuth sich zu unterwerfen.
Lateinische Schriftsteller.
Wie gewöhnlich in Zeiten des Verfalls gab es zur Zeit derVölkerwanderung und des Zusammensturzes des römischen Reichseine Menge von Rhctorcn und Grammatiker; der berühmteste derletzter«, wie wir gleich hier erwähnen wollen, ist PriseianuSaus Cäsarea, der in Constantinopel um 520 lehrte und die aus-führlichste unter den ältern Grammatiken (lümnnwntur. klrum-mutim), sowie andere grammatische Schriften, nebst einer latein.