Band 
Fünfter Band.
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Legenden.

Die sehr zahlreichen Legenden und Leben der Heiligen er-scheinen in dieser Periode als ein ganz neuer Zweig der Litera-tur ; sie hatten einen ganz praktischen Zweck »nd sollten wenigerden Geist vergnügen, den Verstand befriedigen, alö auf den Wil-len deS Menschen einwirken. Verschiedene/ theils gänzlich crfun-dene/ theils übertriebene oder mißverstandene Erzählungen hattensich über die volkSthümlichen Helden / die wir Heilige nennen-wie vordem über alle Helden - verbreitet. Solche von Mund zuMund wiederholte und natürlich bei jeder Wiederholung mehrausgeschmückte Erzählungen wurden wie buchstäbliche Wahrheitenaufgenommen von den Vielen, die sich weniger berufen und ge-neigt fühlte«/ zu untersuche»/ alö zu glauben und zu lieben. Sokannte ganz Griechenland auffs Genaueste alle Thaten der Heldenvon Troja- welche vielleicht niemals gelebt hatten- und jede StadtdeS südlichen Italiens bewahrte die Waffen oder daö Grabmalirgend eines Gefährten des AeneaS, der vielleicht niemals dieGestade HeSperiens erblickt. — Ceran- Bischof von Paris- wandtesich schriftlich an den Klerus mit dem Verlangen- ihm die from-men Sagen auS den verschiedenen Ländern zuzusenden. Joan-neö Mosch auö Alexandrien verfaßte in Rom --die geistlicheWiese", eine auS 219 Kapiteln bestehende Wundersammlung. Mitdemselben Gegenstände beschäftigen sich die Dialoge Gregor deöGroßen- die oben erwähnten Schriften Gregors von Toursso wie die deS MeraphrasteS. Auch die Mönche übten ihrTalent in der Abfassung solcher Heiligenleben- wobei sie wett-eiferten- die wunderlichsten Dinge zu erfinden. Die besten Arbeitender Art wurden in den Archiven der Klöster aufbewahrt und wennsie dann nach einer Reihe von Jahren wieder aufgefunden wur-den, erschienen sie glaubwürdig wegen ihres Alters. Später unter-nahm die Kritik deren Sichtung uud sammelte sie in einem com-pendiösen Gcschichtswcrke- welches 15 Jahrhunderte, so wie alleLänder, alle Gebräuche- alle Stände umfaßt. Der gelehrte Ma-billon sammelte die Biographien der heiligen Benediktiner, Ba-roniuS nahm deren viele in seine „Annalen der Kirche" auf- alleSammlungen dieser Art wurden jedoch verdunkelt durch die deöbelgischen Jesuiten Johannes BollanduS, welche stetS alöein Muster der Kritik in unparteiischer- gründlicher Forschunggelten wird. Im Jahre 1794- wo sie bereits 53 Bände und