Band 
Fünfter Band.
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Literatur.

Wir sahe«/ wie der Prophet und seine ersten Nachfolger sichder Unwissenheit rühmten und mit Ausnahme des Koran alleBücher geringschätzten. Beruht jedoch eine Religion auf einemgeschriebenen Gesetzbuch/ so muß nothwendig durch dasselbe eineLiteratur von Auslegungen und Commentaren hervorgerufen wer-den/ die hinwiederum zu andern litcrarischen Versuchen führen.Die Poesie/ von den Arabern in der heidnischen Zeit bereitshochgeschätzt / fand bald auch bei den Khalisen Gunst / wie dennauch Muhammed selbst Dichter gewesen. Ein nach der Vor-schrift des Korans zum Verlust der rechten Hand verurtheiltcrDieb ward für vier Verse von Moawijah begnadigt/ was/ bei-läufig gesagt/ das erste Beispiel der Aufhebung.eines Urtheils-spruches durch einen moslemischen Herrscher ist. Die Ommajadenbeschränkten übrigens ihre Gunst auf die Koranerklärung und diePoesie/ die Abassiden aber wandten auch den Profanwiffenfchaftenihr Interesse zu *)/ und um diese mit Erfolg anzubauen/ kam den

nem Tode begann, den zahlreichen Pilgerfahrten, die er, von einer SchaarTheologen umgeben, nach Mekka und Medinah machte, und mehrerenglücklichen Feldzügen wider die Byzantiner. Harnn war unstreitig eingebildeter, liebenswürdiger, geistreicher und kräftiger Regem, war tapferund freigebig, beförderte durch seine Prachtlicbe und den am Hofe ent-falteten LuruS Handel und Industrie, aber gerecht war er trotz seinesBeinamens keineswegs. Weil zeigt, mit welchen Künsten er feine uner-meßlichen Schätze erwarb, welche Mittel er sich gegen seine Feinde er-laubte, wie es mit seiner Treue und Frömmigkeit aussah, und wir lernenan beglaubigten Thatsachen die ächte historische Gestalt des glänzendenTyrannen erkennen. Er drückte das Volk mit Abgaben und beraubteseine eigenen Feldherren und Statthalter, wenn sie reich geworden; erdeckte seine Gewaltthaten und Lüsternheiten mit dem Schleier äußererWcrkheiligkeit, aber er beschenkte die Bewohner der heiligen Städte, warverschwenderisch freigebig gegen Dichter und Gelehrte und erhob dieHauptstadt des Khalifats auf ihren höchsten Glanzpunkt. Daß ein Regentdafür von Dichtern und Gelehrten in den Himmel erhoben ward, kommtauch außerhalb des Morgenlandes vor — zumal, wenn die Generationschon so unselbstständig und höfisch geworden, wie uns Weil an Probenihrer Dichter die Zeitgenossen Harun's schildert.

D. B.

*) Auch für das geistige Leben des Orients war die Erhebung der AbassidenEpoche machend. Zwar hatte die arabische Sprache schon vor Muham-med einen hohen Grad von Ausbildung erreicht und einzelne Theile des