setzten keinen der Dichter/ die wir nlS klassisch bewundern/ ihnenjedoch kalt und schüchtern erscheinen. Sie gefallen sich in gcwag,tcn/ gigantischen Bildern/ in unerwarteten Ausdrücken und küh-nen Wendungen/ welche Erstaunen erregen. Sie beenden eineSchilderung nicht/ so lange noch irgend ein Bild/ ein schmücken-des Wort hinzugefügt werden kann / häufen Farben auf Farbe«/Vergleichungen auf Vergleichungen / verschmähen das Einfacheund Natürliche/ um nach dem Effektvollen/ Gesuchte»/ Schwieri-gen zu haschen. In ihren Versen machen sie vom Reime einesehr häufige und reichliche Anwendung. Ein Idyll von 120 Di-siichen nennen sie Kaßida/ die LiebeSode von 7 bis 13 DistichenGasele/ eine Sammlung solcher Dichtungen Divan. In die-sen Distichen ist die erste Zeile ein freier VcrS/ während die zweiteim ganzen Gedicht den nämlichen assonirenden Reim haben *).
*) Die Dichter der Periode Haruns hatten zwar nicht mehr jene ursprüng-liche Nalnrkraft, welche die Poesie des arabischen HeidenthnmS und derersten Zeit des Islams auszeichnet, aber ihre Verse waren fließender, wei-cher und klarer als die ihrer Vorgänger. Doch vermißt Weil. in ihnendie Ursprünglichkeit und Wahrheit poetischer Begeisterung. Wir lesengern, sagt er, das Gedicht eines alten Beduinen der Wüste, in welchemer uns das Kameel schildert, das ihn bei stürmischem Wetter über Bergeund Thäler trägt, oder wenn er die Spuren des Zeltes beschreibt, unter wel-chem einst seine Geliebte gewohnt. Wir weinen mit ihm über die jetzt ver-lassene Stätte und begleiten ihn zum Stamme, der sie weggeführt; hörenihm gerne zu, wenn er seine und seines Stammes Muth und Ausdauerpreist, die ihn seiner Geliebten würdig machen, und folgen ihm in'sSchlachtgekümmel, wo er neue Lorbeeren pflückt, um sie dann mit derwieder errungenen Geliebten zu theilen. In diesem Gemälde weht einfrischer Lebenshauch, es sind reine Herzensergüsse, die rief und mächtigergreifen. Wenn aber ein Dichter der Residenz, der seine Tage undNächte im Palaste eines Großen bei Wein, Musik und Tanz verpraßt,irgend ein Lobgedicht nach alter Weise damit beginnt, daß er das Kameelbeschreibt, das ihn durch gefahrvolle Wege zu einem Fürsten trägt, demer, um von ihm beschenkt zu werden, eine Kaßida vorträgt, so bewundernwir die schönen wohlgeordneten Formen, aber wir fühlen, daß sie ihmnicht aus dem Herzen fließen, sondern ein Produkt der Kunst, häufigauch nur des Gedächtnisses sind. — Wir fügen hier an, daß in derneuesten Zeit von Kennern der morgenländischen Literatur eine besondereRührigkeit entfaltet wird, um deren Schätze zu Tage zu fördern; einigejüngste Veröffentlichungen dieser Art sind: Abn Muhammed AbdullahBcn Mussalem Jbn Coteiba's Handbuch der Geschichte, a. d. Hand-schriften der k. k. Hofbibliothek zn Wien, der herzog!. Bibliothek zu Gotha