821
Thaten nur aus den Berichten seiner Feinde, nachdem die Sache,deren Hauptstütze er gewesen, mit ihm gefallen war, kennen, müs-sen wir deren Erzählungen über seine vielen Ruchlosigkeiten miteiniger Vorsicht aufnehmen. Jedenfalls zeigte er sich als ein ge-wandter und kräftiger Steuermann in den Stürmen seiner Zeitund hatte unverrückt das Ziel der neustrischen Politik im Auge,die Herzoge zu demüthigen und die Aristokratie zu untergraben,um die, freilich damals eben so nothwendige als unmögliche Ein-heit wieder herzustellen. Die Mittel, deren er sich Hiebei bediente,waren übrigens die zweckmäßigsten; das erste war, die Herzogeund Großen aus andern Provinzen als denjenigen zu wählen, inwelchen sie Güter, Clienten und Leibeigene besaßen, damit sie,getrennt von diesen Werkzeugen ihrer Machte nur erste DienerdeS Königs sein sollten, ohne ihre Stellen erblich machen zu kön-nen ; ferner verstand er es mit großer Gewandtheit, die Zunei-gung der australischen Freien zu gewinnen, um sie den großenEigenthümern entgegenzustellen. Ueberdem scheint es, daß er esversuchte, die verschiedenen Nationen, welche das fränkische Reichbildeten, übereinstimmenden Gesetzen und Einrichtungen zu unter-werfen : es konnte dies nur das Werk der Zeit sein *).
Die Herren von Neustrien und Burgund gaben ihm zum Nach-folger Warato, dessen GerechtigkeitSliebe man rühmte, welcherjedoch bald (684) durch seinen Sohn Gislemar verdrängtwurde; nach dessen Tode ersetzt ihn sein Schwager Bertharius,welcher, schwächlich an Geist und Körper, gegen die burgundi-schen und neustrischen Herren einen hochmüthigen Ton annahm.Dies veranlaßte einige derselben, zuPipin überzugehen, der un-ter neustrischer Oberhoheit als Herzog von Austrasten anerkanntworden, und ihn zu veranlaßen, gegen Berthar daS Schwert zuziehen.
Pipin von Heristal.
Nach dem Tode Martins hatten die meisten australischenHerren dem Pipin gehuldigt, welcher faktisch, wenn auch nichtanerkannterweise, daS HauSmaieramt von Austrasten führte. Ernutzte klug das schlechte Regiment in Neustrien, dessen Flüchtlinge
Leb. d. h. Levdeg. 8oni'pt. renuin in. II, 613. — Interes Hilderieo ex-xetnnt iiniversi nt tnlis. rexi Nnret Neenetn per tni». «zune obtinuenntnexiin, ut u»iu8oufu8i;us pnti'ine Isxem vel oonsuetuäinsm obsorvnrvt,sieiit nntNjui Milioos cansLnvnveie.