Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

860

Zehntes Kapitel.

Pipin, König. — Weltliche Gewalt -er Päpste.

Der apostolische Pilger fand die Sachlage verändert im Franken-reiche. Kaum sah sich Pipin d. Ku rz e allein an der Gewalt durchdie Abdankung seines Bruders Karlmann/ als er seinem BruderGrifo die Kerkerthüren öffnete und ihm Ehren und Herzogthümerübertrug (748); dieser jedoch/ nach Rache und Herrschaft lüstern/reizte die Sachsen zur Empörung an; da sie Pipin aufs Neuedem Tribut von 500 Kühen unterwarf/ flüchtete sich Grifo zuden Bayer»/ die er nach dem Tode seines Schwagers Odilovermochte/ ihn zum Herzog zu wählen mit Uebergehung des recht-mäßigen Erben Tassilo. Aber Pipin zögerte nicht/ gegen ihnheranzuziehen/ schlug die Bayern und setzte Tassilo in seineRechte ein. Da auch die Alemannen mit Grifo sich verbundenhatten/ nahm er ihnen die nationalen Fürsten und ließ sie unterder Aufsicht königlicher Gesandten durch fränkische Grafen regie-ren. Der Papst hatte Pipin abzuhalten gesucht/ gegen Grifound die Bayern zu ziehe«/ jedoch vergeblich/ und nach seinemSiege sprach er zum Legaten Sergius: Du warst unwahr/ alsdu im Namen des h. Petrus suchtest/ mich am Kriege zu verhin-dern. Der Wille Gottes hat sich durch den Sieg offenbaret undder Himmel hat entschieden/ daß die Bayern den Franken unter-thänig sein sollen. ES ist dies ein Argument/ welches in der po-litischen Waage nichts an Gewicht verloren hat.

Indessen schenkte doch Pipin auf Fürbitten des h. Boni-facius und des Papstes dem gefangenen Bruder daS Leben; erg ewährte ihm sogar zwölf Güter nebst der Stadt Mans; alsGrifo jedoch trotz solcher Güte abermals das Schwert erhob alsBundesgenosie der Longobarden/ fiel er in der Alpengegend (753).Pipin harte nun keine Nebenbuhler mehr; in der Blüthe desmenschlichen AlterS/ 36 Jahre alt/ stand er da als Sieger inmehreren Kriegen/ als Liebling des Volkes und der Soldatendurch sein huldvolles Wesen/ wie nicht minder der Geistlichkeit/der er Alles wiedererstattet/ was sein Vater ihr genommen hatten