Band 
Fünfter Band.
JPEG-Download
 

883

Lombarden mit den Päpsten verfeindet/ unter sich selbst zerfallen/von den Italienern gehaßt.

Während der Fall der Gothen Mitleid einflößt / da er nichtunedel/ nicht unrühmlich war/ zeigt sich in dem Untergang derLombarden nur Schwäche und Feigheit; deren Könige/ beständigeidbrüchig und im Kriege stets unterliegend/ unterwarfen sich denvon einem fremden Fürsten auferlegten Bedingungen und waren,wie ungezogene Kinder/ sofort wieder mit dem alten Trotz bei derHand/ sobald derjenige / vor welchem sie sich gedemüthigt/ wiederferne war. Karl dagegen begriff/ wie alle großen Männer/ voll-komme«/ was seine Zeit erforderte. Statt mit der so mächtigenGeistlichkeit zu streiten/ stärkte er sich, indem er aller bewegendenKräfte der Gesellschaft sich bemächtigte und sie für seine Zweckebenützte. Und nun unternahm er seinen Zug nach Italien mit demwohl berechneten und gereiften Plane/ nicht bloS/ wie sein Vater,die Longobarden zu demüthigen, ihr Reich aber bestehen zu lassen,sondern dieses ihr Reich völlig zu vernichten.

Uebrigenö kostete die Eroberung Italiens sehr wenig Blut,denn er hatte dasselbe nur den wenigen und ziemlich kühlen An-hängern des DesideriuS und seines tapfern Sohnes Adelgis,den dieser an der Regierung betheiligt, streitig zu machen. DieserLetztere hatte dte Alpenpäffe so gut befestigt, daß die fränkischenHerren, deren Sache niemals Beharrlichkeit war, bereits began-neu, über den Verzug zu murren. Karl selbst war nahe daran,daö Unternehmen aufzugeben, als ein Ueberläufer (nach Andernein Diakon), Namens Martin, ihm einen über unwegsame Fel-sen führenden und darum »«behüteten Paß verrieth. Ein Häuf.lein Franken unter der Führung deS Herzogs Bernhard, einesnatürlichen Sohnes von Karl Martell, schlug diesen Weg einund erschien so plötzlich im Rücken der Longobarden, welche vonpanischem Schrecken, auch vielleicht von Verrath umgarnt, ihreunangreifbaren Stellungen aufgaben, ohne dem Feinde auch nurStand zu halten. Adelgiö schloß sich in Verona, DesideriuSin Pavia ein mit der Familie Karlmanns und Hunald,dem flüchtigen Herzoge von Aquitanien.

Karl in Italien. 774.

Vermöge dieses unverhofften Erfolges konnte Karl rasch denBoden Italiens betreten und ehe noch die Lombarden von ihrerBestürzung zurückgekommen waren, die beiden Städte zugleich

56 *