Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

194

Ueberfluß an Lebensrnitteln zu sorgen und zu bewirken, daß derPreis nicht stieg, ungeachtet täglich hunderttanscnde von Pilgerndie Stadt anfüllten. Gezählt hat sie Niemand, nur wurde auf-gezeichnet hinterlassen, daß in der St. PeterSkirche allein das inkleiner Münze auf den Altar gelegte Opfer über 50,000 Gold-gulden betrug (zwei Kleriker waren Tag und Nacht beschäftigt,die Gaben anzunehmen); größere Geschenke sind nicht dazu ge-rechnet. Trotz der ungeheuern, sich durch die Gassen wälzenden,aus allen Ländern herbeigeströmten, großentheilS mittellosen Volks-menge wurde ohne Mühe die schönste Ordnung aufrechterhalten,man hörte wenig von Polizei, oder noch größeren Vergehen, esschien Alles in Andacht zu glühen, und sich ganz allein mit demewigen Seelenheil zu beschäftigen*). Wunderbare Gebetserhö-hungen waren nicht selten. Nur einige Fürstenpcrsonen werdenerwähnt, welche die Größe der angebotenen Gnade erkanntenund voll der Begierde darnach über die Alpen kamen in dieHauptstadt der Christenwelt. In den höheren Ständen, zumalaußer Italien, war kaum eine sonderliche Wirkung deS Iubi-läumS zu verspüren, und der dort mächtig gewordene kirchenfeind-liche Geist, gegen welchen Bonifarius VIII ankämpfte, geriethgleichsam jetzt erst recht in Wuth**) und vollbrachte das Entsetz-liehe, welches wir mit Schauder in dem Untergänge dieses heldcn-müthigen Kämpfers, in der Knechtung des Pontifikats zu Avignon,in der unmenschlichen Zertretung des TemplcrordenS und in derFäulniß aller Zustände gewahren, die zuerst das vierzigjährigeärgernißvolle Schisma und zuletzt die heillose Glaubensspaltungdes Abendlandes auSgegohrcn haben. BonifaciuS VIII trägtan dem Allem keine Schuld***)."

Im vollen Lichte seines großartigen, weitgreifenden, aberfreilich nicht immer glücklichen, weil unverstandenen Wirkenssehen wir ihn, der muthig und entschieden gegen Ungerechtigkeitund Tyrannei stritt und die Unterdrückten gegen despotische Will-kür in Schutz nahm, alö Friedensstifter in Europa auftreten.Es gelang ihm, den langen Kampf zu beenden, der zwischen denAragonesen und Angevinen um den Besitz Sieiliens geführt

*) Wer gedenkt bei dieser Schilderung nicht der Wallfahrt nach Trier.

dieses großartigen Ereignisses, das die Gegenwart anstaunte!

*') Die Trierer Wallfahrt und — der Rongeanismus*") Damberger, A. a. O., H. Abschn. 2.

D.B.