Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

229

Der kleine und kleinliche Widerstand des schwachen Papstes, derallerdings den Orden gerne gerettet hätte, ward gebrochen durchDrohungen und Versprechungen; so ward ihm namentlich zuge«

Beweise den König, was nicht schwer hielt, überzeugt hatte, er müsse alsVertheidiger der heil. Religion den entarteten ketzerischen Orden gänzlichvertilgen, der Beraubungsplan eigentlich zur Reife gediehen. Erfuhrendie Templer im Spätherbst W06 eine veränderte, eine sehr ungnädigeGesinnung, so war der Papst in derselben Lage; es wurde aber vondessen zwei in Paris weilenden Legaten jedes Mittel aufgesucht und end-lich, wie schien, wirklich eines gefunden, den königlichen Zorn zu be-sänftigen, und der Orden durfte ebenfalls wieder zu Gnaden zu kommenhoffen, war nun ein freundliches Verhältniß zwischen König und Papsthergestellt." — Flerian, wegen Verbrechen, wahrscheinlich wegen Häresie,vernrtheilt, saß mit einem ganz verworfenen Florentiner, Noff »die, wohleinem abtrünnigen Templer, der gleichfalls wegen schweren Verbrechenin demselben Gefängnisse eines königlichen Schlosses, in der LandschaftToulouse war, und diese beiden Schurken setzten, um ihre Freiheit wieder zuerlangen, eine Anklage gegen den Orden auf, die alsbald dem Königeübergeben wurde. „Dieser, ein argwöhnischer Ketzerriecher ersten Grades,ließ sogleich durch die Inquisition (sein Beichtvater Wilhelm warGroßinquisitor) einige Templer ergreifen, scharf verhören, und zweifeltenun keinen Augenblick mehr, daß Ketzerei und Lasterhaftigkeit um sofürchterlicher je heimlicher sich im Orden eingenistet, indem man ihmvon Aussagen (der Gefolterten!) Bericht sandte, wodurch die Anklage desFlerian und Noffodie nur zu sehr bestätiget wurde. Das mußEnde 1306 oder Anfang 1307 vorgefallen, und sonach der Gedanke anAufhebung des reichen und mächtigen Ordens, Aufhebung in gesetzli-cher Weise, gefaßt worden sein. Erst als man auf dem Wege gesetzlichenVorgehens unübersteiglichen Schwierigkeiten begegnete, wurde stolz underbittert der gewöhnliche durchführender Despotie eingeschlagen, von SeitePhilipps um so unbedenklicher und hartnäckiger, je lieber sein Grollund Argwohn demjenigen Glauben schenkte, was bald selbst manche Or-densobere.. Schändliches eingestanden oder einzugestehen schienen, vonden Qualen der Folterkammer überwunden. Clemens V begab sich(nach Pfingsten 1307) zum Congreß nach Poitiers, endlich die oft be-sprochene Kreuzfahrt in Gang zu bringen; Philipp, der diesen Congreßaus ganz anderen Ursachen betrieb, brachte mit sich den Sohn Ludwig,König von Ravarra, die Brüder und viele Barone. Auch Karl H,König von Neapel, erschien. Bedeutendes wurde sehr geheim abgemacht,und es gingen verschiedene Gerüchte aus: Philipp habe dem Papste diegebieterische Nothwendigkeit ans Herz gelegt, den Tcmpelorden förmlichaufzuheben wegen der schweren vorliegenden Jnzichten, da selbst schoneinige der Verhafteten schreckliche Dinge ausgesagt, und überhaupt wegender Gefahr drohenden Entartung dieser kriegerischen Körperschaft, die jetzt