241
urtheilung eineö PapsteS! Dieser Gedanke schreckte den gequältenClemens so, daß er nachgab, und damit ihm Philipp eS er.lasse, über seinen Vorgänger zu Gericht zu sitzen, ließ er ihmseinen Willen hinsichtlich des TcmplerordenS. Philipp vonMarigny, den er zum Erzbischof von Scns ernannte (1309),ward Vorsitzender der Synode von Paris, die als UntersuchungS.kommission die Templer prozessirte und deren 54 als Rückfällige,d. h. alö solche, die ihre von der Folter erpreßten Geständnissezurücknahmen, zum Scheiterhaufen vcrurthcilte*); 9 andere theil.
*) „Es war am Dienstag 1L. Mai, daß 54 Templer zur Richtstätte vordem Thore St. Antoine geführt wurden, die meisten aus adelichen Häu-sern entsprossen, starke Männer, in der Blüthe des Lebens. Als sie,nachdem man ihnen die Ordenstracht abgerissen, einzeln an die Brand-pfähle geschnürt wurden, rings um sie das aufgerichtete, schon in Brandgesetzte Holz, Scharfrichter des Befehles harrend ihnen zur Seite, alsder Herold noch einmal jedem Leben und Freiheit verhieß, der sichschuldig bekenne, als Freunde und Verwandte weinend die Vernrtheiltenbaten, sich dem Willen des Königs nicht länger zu widersetzen: da warkeiner unter den Männern, der durch eine Lüge sein Leben hätte erkau-fen mögen. Alle betheuerten die Unschuld des Ordens und daß sie Zeitihres Lebens rechtgläubige Christen gewesen. Da schoben die Henkerlangsam von der einen, dann von der andern Seite den glühenden Holz-stoß näher und näher, langsam leckte die Flamme an den Gliedmassender Gefesselten, schlang sich mit Gier höher und höher hinauf, bis überihnen die Lohe zusammenschlug. Aus dem Geprassel des Feuers töntendie Versicherungen der Sterbenden von der Reinheit des Ordens; manhörte sie Christum anrufen, die heil. Jungfrau, die Heiligen alle. Vier-nndfünfzig Zeugen der Wahrheit hatten geendet; um ihre Asche spielteerlöschend die Flamme." Havemann. In dichten Schaaren, starrvor Entsetzen, schaute das Volk von Paris dem Tode der Männer zu,an deren Schuld es »immer glaubte. Eben stand Johann Bertoldi,welcher im Kloster des heil. Marentius zu Polsters von Jamville gefol-tert worden war, vor der päpstlichen Commission, seine Aussage zu wie-derholen, als man die Ausführung der viernndfünfzig berichtete. DieCommission snspendirte das Verhör und verlangte sehr ernstlich Aufklä-rung über ein Ereigniß so schauderhafter Art. Bei allen Gefangenenwar — unstreitig geflissentlich — die Nachricht davon verbreitet worden;auch in den Kerker des Großmeisters war sie gedrungen. Einen Beweisvon dem Eindrucke, welchen dieselbe, wie beabsichtigt, machte, gab deram 13. Mai vorgeführte Zeuge, der Templer Avnier von Villars.Er betheuerte, bleich und vor Schrecken wie außer sich, anf seinen Eidund auf Gefahr seiner Seele, unter der Verwünschung, wenn er lüge,auf der Stelle des Todes zu sein und sogleich mit Leib und Seele inCantu, Weltgeschichte. VIII. 10