326
gierung gefolgt war und von Jugend gegen Ludwig einen bitternHaß im Herzen trug. Daher der hartnäckige Kampf zwischenbeiden, in welchem von jeder Seite alle Hilfsquellen der Tapfer-keit und der Arglist aufgeboten wurden. Herzog Karl, in demnun alle Feinde des Königs ihren Führer erblickten, begann denKrieg, aber Ludwig gewann die Oberhand durch seine Schlau-heit, durch seine fein gesponnenen Pläne, die untergeordnetemVasallen wurden theils mit dem Tode, theils mit Entsetzung be-straft und der Herzog von Burgund mußte seinen ausgezeichnetstenMinister, den Historiker Philipp von Comines, in dieDienste seines Gegners übergehen sehen; Karl von Berry,deS KönigS Bruder, der sich mit Guyenne hatte begnügen müssen,starb (1472), und sein Almosenier bekannte auf der Folter, erhabe ihn vergiftet auf ausdrückliches Verlangen des KönigS, dersich gar nicht die Mühe nahm, dieser Anschuldigung zu wider-sprechen. Da trat Karl von Burgund als der Rächer deSErmordeten auf und verbündete sich mit Eduard IV von Eng-land; sie wollten Frankreich erobern und unter sich theilen, Karlaber dessen Thron besteigen, was das Ziel seines Ehrgeizes war.
Ludwig dagegen kannte die Macht des Goldes und verstanddie Kunst, es zur rechten Zeit anzuwenden; er erkaufte die Ver-trauten Eduards, und diesen selbst bestimmte er, indem er ihm75,000 LivreS für die Kriegskosten zahlte und sich während derbeiderseitigen Lebenszeit zur Bezahlung von 50,000 LivreS ver-pflichtete, nach England zurückzukehren; den Schweizern verspracher 20,000 Livres jährlich auf seine Lebenszeit und 14'/- Guldenmonatlich für jeden Mann, der in seinen Dienst treten würde.Durch ganz gleiche Mittel gewann er den deutschen Kaiser undden Herzog von Lothringen für sich und veranlaßte die Flamän-Ler zur Empörung gegen Karl; namentlich waren die Gcntervoll Unwillen, daß der Herzog, dessen Prunkliebe und Ehrgeiz denSchatz seines VatcrS erschöpft hatten, immer wieder neue Sub-sidien von ihnen verlangte.
Karl trug sich mit den hochfligendsten Plänen, aber er ver-folgte keinen mit Beharrlichkeit, obgleich ihn die Großartigkeitoder die Schwierigkeit deS Unternehmens eher reizten als ab-schreckten. Mit dem stürmischen Muthe, der ihm seinen Beina-men gab, brennend vor Verlangen sich unabhängig zu machen,trug er sich mit dem Gedanken, den größten Theil des alten lo-thüringischen Reiches zu vereinigen mit den noch schwachen