Band 
Achter Band.
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Kirche Gottes/ ein kenntnißreicher Theolog/ dem Gebete undfrommen Uebungen ergeben/ aber auch den Welthändeln sehr per-traut. ,/Großes strebte er an und hatte große Mittel/ es zu er-reichen : 1) Herstellung der Kirchenzucht / 2) feste Ordnung undHerrschaft im Kirchenstaate und 3) eine allgemeine Kreuzfahrtund — nichts von allem dem ist erreicht worden. Es mußte sokommen wegen der unnatürlichen Stellung des apostolischenStuhles ferne von Rom/ abgesehen daß arge politische Mißgriffemit unterliefen. Der größte Fehler scheint gewesen zu sein/ daßsich Johann XXII/ ein ganzer Franzose/ zu sehr durch dieVorliebe für seine Landsleute blenden ließ/ und die Meinungfesthielt/ nur von daher könne der Kirche Heil kommen/ der Pa-riserhofim Einverständniß mit König Robert biete der bedräng-ten Kirche einen undurchdringlichen Schild/ unter diesem mäch-tigen Schutze lassen sich die canonos ernstlich handhaben selbstgegen jeden Großen und nach Bedürfniß verschärfen ohne Gefahrfür den heiligen Stuhl/ welchem eine solche Schirmvogtei ebenso ersprießlich gewesen. Johann XXII bedachte nicht/ oder zuwenig/ daß die kirchliche Macht ganz auf dem Glauben ruht;halb Europa beschuldigte ihn bald der Parteilichkeit/ schmähteihn einen Franzosenpapst/ einen Wohldiener des Pariserhofs/hielt ihn nicht mehr für den gerechten/ allen Christen wohlwol-lenden/ nur daö Reich Gottes suchenden heiligen Vater/ und da-mit waren seine päpstlichen Waffen stumpf gemacht; nicht einmaldie Klöster scheuten sich/ von seinen Censuren achselzuckend Um-gang zu nehmen. Er/ der sie mit aller Schärfe wiederherstellenwollte/ hat die alte Kirchenzucht völlig in Verfall gebracht. —Sein zweiter Hauptgedanke und Wunsch war/ das wilde/ fehde-lustige Parteiwesrn jener gährenden/ alles ins Kleinliche zersetzen-de«/ selbstsüchtig nur Parteifreiheiten und Privatvortheile ohneRücksicht auf das allgemeine Wohl erstrebenden und dadurch fürschimpfliche Knechtschaft reif werdenden Zeit mit allem Ernste zuzügeln/ zunächst in Italien/ und so den armen Kirchenstaat aufdie Dauer in Ruhe und Ordnung zu bringen; eher könne derPapst/ diese Ueberzeugung hegte er / nicht sicher in Rom wohnenund nicht kräftig von da aus für die gcsammte Christenheit wir-ken. Und wer muß ihm hierin nicht Recht geben? Aber er hatsich/ wäre eS auch möglich gewesen/ zu Avignon sitzend/ Rom undItalien zu beruhigen und zu ordnen/ in den zur Erreichung deslobenöwerthen Zieles angewendeten Mitteln weit vergriffen/ und