Band 
Achter Band.
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öffentliche Meinung sich den Minderbrüdern zuneigte und dekPapst dadurch an Ansehen einbüßte, gegen welchen Ludwigohnehin energische Streitschriften erließ, unterstützt von den Fran-ziskanern, sowie von mehrern bedeutenden Theologen und Cano-nisten; diese begannen Untersuchungen anzustellen über die Grund-lagen der päpstlichen Gewalt, die fortan vielfach von der Sacheder Kirche getrennt aufgefaßt und nicht mehr von allen ernstenund religiösen Geistern vertheidigt wurde. Zwei Professoren derPariser Hochschule, der Paduaner Marsilius de Raymun-dinis (Mainardinus) und Johann von Jandun aus derChampagne boten alles auf, den Kaiser zu überreden, daß es ihmzustehe, die in der Kirche eingeschlichcncn Mißbrauche zu beseiti-gen, denn diese sei dem Reiche untergeordnet, und sie veröffent-lichten mit dem genuesischen Mönche Ubcrtino Casale denvelensor prrcis, in welcher gestachelten Schrift merkwürdiger-weise bereits die Grundzüge des Systems Calvins hinsichtlichder Autorität und der Verfassung der Kirche zu finden. Nachdem vokeusor ruhe alle gesetzgebende und ausführende Gewaltin dem Volke, das dieselbe auf die Geistlichkeit übertragen; spä-ter erst sei die hierarchische Einrichtung erfunden worden, währendursprünglich kein Unterschied des Ranges gewesen zwischen Bi-schöfen und Priestern; von der Gemeinde eingesetzt, könnten sieauch von derselben ihrer Auiorität entkleidet werden. Das nurin der Berufung und Leitung der allgemeinen Kirchenvcrsamm-lungen bestehende Primat sei dem Bischöfe von Rom eingeräumtworden lediglich unter Guthcißung einer dieser Kirchenversamm-lungen und des höchsten Gesetzgebers, d. i. aller Gläubigen oder deSKaisers, der sie vertritt; die Güter der Kirche gebühren demKaiser, der darüber verfügen kann wie über sein Eigen.

Der berühmte Engländer Wilhelm Occam (1280—1343?)ging zwar nicht so weit, aber er näherte sich dem Dante in derAuffassung der Monarchie, denn er betrachtete sie als von derAutorität der alten Kaiser abstammend, welche ihrerseits sie un-mittelbar von Gott empfangen hätten. In Ludwig vonBayern einen Beschützer findend, behauptete er, die Würde desrömischen Königs und des Kaisers sei identisch, und die Wahlschaffe den Kaiser, nicht die Krönung. Er bestritt die Unfehl-barkeit nicht blos dem Papste, sondern auch dem allgemeinenConzile und dem Klerus überhaupt; die Gesammtheit der Laienkönne einen entscheidenden Beschluß fassen, auch dürfe im Noth-