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dadurch Aufsehen erregen zu wollen, daß sie die Politik auf dieKanzel brachten; diese predigten für die Armagnacs, jene für dieBurgunder, der eine für die McdiciS, der andere für die Sforza;nicht selten ward die Freiheit der Kanzel bis zu offener Aufleh-nung gegen Könige und Päpste mißbraucht. Johann v. Schionnd Bruder Jakob B usso lari bewirkten förmliche Umwälzungenin der Lombardei; Jagues le Grand predigte in der Gegen--wart Karls VI/ die Könige seien angethan mit dem Blute undden Thränen der Völker; Wilhelm Pepin behauptete / dieMonarchie sei eine Erfindung des Teufels und nur die Freiheitberuhe auf göttlichem Rechte; IohannPetit dagegen warf sichzum Apologeten des von den Königen gebotenen Mords auf undbereitete dadurch die Gemüther vor zur Annahme der Vertheidi-gung deS KönigSmordS. Maillard / Prediger Ludwigs XIund Karls d. Kühne»/ hechelte Große und Geringe durch,äffte auf der Kanzel Personen nach, weinte, sang, und als Mei-ster Olivier, deS' Königs Profos, ihm drohete, er würde ihn miteinem Steine am Halse inS Wasser werfen, antwortete er: Sageihm, ich würde selbst zu Wasser noch eher ins Paradies kommen,als er mit seinen Postpferden.
Ein eigenthümlicher Zug bei vielen dieser Prediger ist, daßsich ihrer aufrichtigen Frömmigkeit und ihrer großen Naivetätund Geradheit eine starke Hinneigung zum Possenhaften undTheatralischen zugesellte, aus welcher Mischung dann die wun-derlichsten und nicht eben geschmackvollen Dinge zum Vorscheinkamen. Robert Caracciolo v. Leere, von seinen Zeit-genossen als ein Ausbund von Beredtsamkcit gepriesen*), betritteines Tages die Kanzel, um das Kreuz zu predigen, plötzlich wirft
*) Einige Predigten von ihm sind vorhanden, die ganz geeignet sind, unszu enttäuschen. So heißt es in einer derselben: „Sagt mir doch, sagtmir doch einmal, ihr Herren, woher die so vielen und verschiedenartigenUebel im menschlichen Körper, Gicht, Seitcnschmerzen, Fieber, Katarrhe,rühren? Von nichts anderm, als dem Uebermaß im Essen und von derSchleckerei. Du hast Brod, Wein, Fleisch, Fisch, aber das ist dir nichtgenug; du mußt bei deinen Schmansereien weißen und rothen Wein,Malvasier, Wein von Tyrus, Gebratenes, Gesottenes, Salat, Vackwerk,Kapern, Mandeln, Feigen, Rosinen, Zuckerwerk haben, um deine»Schmutzsack damit zu füllen! Füllt euch, überladet euch, laßt die Knöpfespringen, und wenn du gegessen hast, leg dich hin und schlaf wie ei»Schwein." Predigten, l. Venedig 1830.