Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

523

den Widerspruch/ der ihr entgegentrat und weil sie einen durchdie allgemeine Unzufriedenheit mit den Zuständen in der Kirchewohlvorbereiteten Boden vorfand/ vor allem aber, weil man keinekräftigen, rasch wirkenden Heilmittel gegen dieselbe anwendenkonnte in einer Zeit/ wo die Kirche elendiglich unter drei Päpstengespalten war.

Conzil zu Kostnitz. 1414—18.

Dieses waren die offenen Wunde», welche zu schließen daSConzil zu Kostnitz berufen war. Der Kaiser, viele Fürsten undHerren wohnten dieser Versammlung bei, welche außerordentlichzahlreich war, denn man zählte in der Stadt 150,000 Fremde —darunter 18,000 Geistliche und 200 Doctoren der Pariser Univer-sität — mit 30,000 Rossen. Alle diese Großen und Vornehmen'wetteiferten mit einander in Glanz und Pracht, und in einer Zeit,wo die verschiedenen Nationalitäten und Stände stch noch durchihre eigenthümlichen Trachten und Costüme unterschieden, mußteum so deutlicher die bunte Mischung der zahllosen Anwesendenhervortreten, unter denen insbesondere die aus den GränzmarkcnEuropas herangekommenen Herren mit ihren Gefolgen, durchfremdartige, aber prächtige Kleidung und Rüstung, sowie nament-lich die Cardinäle auffielen. Gar Viele fanden stch ein, umdieses großartigen Schauspiels zu genießen oder stch zu untcrhal-tcn, denn eS waren auch 346 Comödianten und Gaukler und700 Courtisanen anwesend. Die Frommen beteten, die Gelehrtenbereiteten stch zu den dialektischen Kämpfen vor, aus welchen dieBefestigung der Gleichstellung der Männer der Wissenschaft mitden Großen der Erde hervorgehen sollte.

Wir können hier nicht Schritt vor Schritt den Verhandlun-gen dieser hochwichtigen Kirchenversammlung folgen. Gleich vonAnfang an entwickelte fie so kräftigen Widerstand gegen die ge-schickten Mittel, durch welche die Italiener und der Papst fie zudominircn versuchten, daß dieser, nämlich Johann XXIll, dernur mit Mühe zu bewegen gewesen, nach Konstanz zu kommen, denMuth verlor und auf die Forderung deS Conzilö, alle drei Päpstesollten freiwillig restgniren, mit anscheinender Bereitwilligkeit ein-ging, dann aber stch weigerte, sein Versprechen zu halten; erentsioh sogar verkleidet und mit Hülfe deS Herzogs Friedrichvon Oesterreich bei Gelegenheit eines Turniers, daS in der Ebenezwischen den beiden Seen gehalten wurde (21. März 1415). Die