Band 
Achter Band.
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streng geschiedene, in sich abgeschlossene Parteien, vertraten nichtmehr die Gewalt und die Idee, die Unabhängigkeit und dieEinigkeit, die Demokratie und die Aristokratie, sondern eine Erb,schafc alter eingewurzelter Abneigungen, deren ursprünglicheGründe nicht mehr vorhanden waren. Zum Beweise dessen dientdie Thatsache, daß die Päpste, wenn sie zuweilen vergaßen, daßsie die Väter Aller, sich auf die Seite der Ghtbellinen stelltenund diese sich wider die Kaiser kehrten; indem sie so beide ihreStandpunkte wechselten, traten sie lediglich von politischen oderselbstischen Rücksichten und momentanem Ehrgeiz geleitet, baldfür die Freiheit, bald für die kaiserliche Autorität in die Schratt-ken. Die kleinen Parteien neigten sich dem GhibellinismuS zu,aber schlecht berathen war der Kaiser, der auf ihren Beistandvertraute! Kam er aus Deutschland, so überhäuften sie ihn mitSchmeicheleien und bereiteren ihm einen Empfang, dessen Pompeine Demüthigung war für seine gebotene Aermlichkeit; sie über-reichten ihm die Schlüssel der Städte, bezahlten für gewisse Re-galten, gestatteten ihm aber keinerlei Gewalt, ja nicht einmaleinen längern Aufenthalt in ihrem Lande. Und kaum war erabgezogen, so sagten sie sich von jeder Abhängigkeit loö und er-richteten Bündnisse gegen ihn.

Da wir gesehen, wie die alten Römer, diese glühenden Re-publikaner, sich der unbeschränkten Vergewaltigung ihrer Kaiserbeugten, werden wir nicht sehr darüber erstaunt sein können, daßdie unruhigen Italiener aufs Neue sich das Joch einiger kleinenTyrannen aufhalsen ließen. Bet ihnen war die Freiheit ohne Ge-rechtigkeit und Sicherheit. Erriethen sie unter die Herrschafteines der siAnori, so litten nur die Großen darunter, weil sienun ihren Uebermuth zügeln mußten, dem Volke aber sagte eSzu, nur einem Einzigen statt Vielen zu gehorchen, und es dachte,der ferne Herr, wenn man ihn nur gewähren lasse, könne wedereinen Vortheil davon noch den Wunsch haben, die Unterthanenzu reizen, während in den sogenannten freien Gemeinwesen derEinzelne dem Haß einer ganzen Partei ausgesetzt, jeder Neben-buhler oder Gegner zu fürchten war.

Ferrara unterwarf sich (1208) zuerst einem Fürsten, nämlichdem Azzo v. Este, aber rasch fügten sich alle Städte dieser po-litischen Umgestaltung, gewissermaßen ohne dessen gewahr zu wer-den, wie sie in derselben Weise auch zur Freiheit gelangt waren.UebrigrnS kam mit der Tyrannei nicht alsbald Friede und Ord-