585
(1309—43). Er hatte häufige Kriege zu bestehen mit Friedrichvon Sizilien, welchem die Ghibcllincn und die deutschen Kaiserbeistanden, so daß es zwischen den beiden Königreichen nimmerzum dauernden Frieden kam. Eben so bedeutend als Staats-mann wie als Krieger, besaß er während seiner langen Regierungin Italien die Oberhand und es hatte den Anschein, alS sollteer dessen Beherrscher werden, obgleich er im Grunde seine Staa-ten um keinen Zoll breit Landes vergrößerte. Viele Städte stell-ten sich unter seinen unmittelbaren Schutz (dnlia), während derPapst ihn zum Verweser des erledigten Reiches bestellte; so langeer lebte, galt er für das Haupt der guelfischen Partei, welcherFlorenz und Bologna stets getreu anhingen.
Mailand.
Der ghibellinischen Partei dagegen hingen die kleinen Dyna-sten an, namentlich die lombardischen, die sich um so mehr dieZügel schießen ließen, seitdem die römischen Hirten die Heerdeverlassen hatten, um demüthige Diener Frankreichs zu werden.Bei den Zwistigkeiccn zwischen den Edcln und Bürgern Mailandshatte Martin della Torre von Valvassina sich so sicher ge-bettet in der Gunst des Volkes, daß er an die Spitze der Stadtgestellt (1257) wurde und seine unbeschränkte Gewalt auf seinHaus vererben konnte.
Die Visconti.
Die Mailänder hatten sich daher bereits an die Herrschafteines Einzelnen gewöhnt, als der Erzbischof Otto Visconti(1277) die Zügel an sich riß, indem er mit der geistlichen Ge-walt die weltliche vereinigte. Er vermochte dies glücklicherweiseohne Blutvergießen und ward mächtig durch den Beistand derghibellinischen Städte, die sich ihm anschlössen, namentlich nachdem Falle des Markgrafen v. Montferrat, so daß er seinem Ncf-fen Matthäus die Gewalt übertragen konnte. Derselbe ward vonden Bewohnern Mailands, sodann von Rovara und Vereelli zumCapitano erwählt, sodann zum kaiserlichen Vikar in Lombardiertfür Adolf v. Rassau ernannt. Beim Tode seines OheimS(1295) wurde er sodann alS Herr von Mailand und mehrerenanderen Städten anerkannt, und verband sich dann durch Heira-then mit dem Hause Scaliger zu Verona und den Herren vonEste, die über Ferrara herrschten; jene standen an der Spitze