Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

650

mit seinen Ausdeutungen erschienen / er aber habe dieses alSbalddem gemeinschaftlichen Herrn angezeigt. Der Erzbischos mögefür ihn zu Gott beten; die Fehler/ welche er von ihm wisse/ alsSeelenhirt verschwiegen halten und ihn dem Kaiser empfehlen.In einem andern Briefe dagegen/ von dem wir nur ei» Bruch,stück besitzen/ trägt er dem Erzbischofe auf/ dasjenige/ was er ihmund dem Propste der Kirche unter dem Beichtsiegel anvertrauthabe/ nur zu eröffnen/ wenn dieses auch dem Kaiser genehm sei/er hoffe/ daß / gleich wie Esther die Feinde der Juden durch denAffuerus selbst vertilgt habe/ so auch die heil. Jungfrau Mariadie höllischen Feinde durch den Kaiser bezwingen werde. Inwelchem Verhältnisse beide Briefe zu einander stehen / ist nichtmehr zu entscheiden. — Damit endigte der Versuch Cola's/ per-mittelst der Lehren der Spiritnalcn und seiner eigenen Ideenvon dem römischen Alterthume und der Kaiserwürde eine Umge.staltung Italiens zu bewirken"*).

Rom war aber inzwischen seit der Vertreibung des Tribunennicht zur Ruhe gekommen. Die Leiden der Pest/ welche sich imJahre 1348 über ganz Italien/ Frankreich und Deutschland ver.breitete/ und eines fürchterlichen Erdbebens (10. Sept. 1349)wurden zwar im Jubeljahr 1350 vergessen/ wo unzählige Men.sehen / aufgeregt durch das Unglück der Zeit und begierig denAblaß zu gewinnen/ in Rom zusammenströmten/ aber um sogeneigter zeigten sich die durch den ihnen zufließenden Reichthumüppig und hochmüthig gewordenen Römer zu Ausstände»/ dereneiner sogar den Legaten Cardinal Guido von Boulogne/ derden trotz seines Versprechens nicht gekommenen Papst vertrat/am Leben bedrohte und aus der Stadt vertrieb. Dabei zeigtendie Senatoren nicht die Kraft oder den Willen / die in alterWeise hausenden Barone zu beugen. //Jeder that Böses nachseinem Sinne/ weil kein Ort da war/ um Gerechtigkeit zu holen.Das Volk war unglücklich / und die Stadt drinnen voll vonUebellhätern/ und draußen wurde allenthalben geraubt und ge.plündert/ die Fremden und Pilger waren wie die Schafe unterden Wölfen (M. Villani)." Unter diesen Umständen setzte dasVolk aus eigener Machtvollkommenheit den Giov. Cerroni/einen angesehenen Bürger/ zum alleinigen und unbeschränktenSenator ein/ und der Papst billigte diese Einsetzung; aber Cer.

') Papencordl, R. a. O.

D. B.