Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

692

Unfall höchlich beklagten, rief der römische Kaiser aus: Wärensie aus Gold gewesen, so würden sie nicht zerbrochen sein!

Sforza konnte somit wissen, wie dieser Kaiser behandeltsein wollte, und alö derselbe Anstand nahm, ihn als Herzog an-zuerkennen, brauchte er nur Miene zu machen, als wollte er dasseinem Vorgänger gemachte Zugcständniß mit den Waffen ver-theidigen. Sforza verstand es übrigens, seine neuen Unter-thanen im Zaum zu halten, vereitelte einen Bund, den Venedigmit dem Könige von Neapel, dem Herzoge von Savoyen, demMarkgrafen von Montferrat, den Communen Siena und Correggiogegen ihn zu Stande gebracht hatte, und verstand es, den ver-schiedenen Potentaten sich nothwendig zu machen. Eine Doppel-heirath verband ihn mit dem königlichen Hause von Neapel, undandere Familienverbindungen wurden mit dem Markgrafen vonMancua, mit dem Hause Savoyen, mit Francesco Piccininogeschlossen, diesem seines Vaters würdigen Condottiere, durchdessen Gewinnung eine Versöhnung der Sforzcschi und Brac-eieSchi zu Stande kam. Den Genuesen half er bei der Ver-treibung der Franzosen und die Signoria wurde dann ihm selberübertragen. Ueberhaupt zeigte sich Sforza als einer der größ-ten und, mit dem Maßstabe seiner Zeit gemessen, auch bestenFürsten. Er behielt auf dem Throne bei das im Feldlager aner-zogene freie und offene Wesen, und obgleich durchS Schwert zurGewalt gelangt, ließ er es, im Besitze derselben, in der Scheide,wie er denn auch im Ganzen sich die Politik des HandelsmannesCoSmus zum Vorbilde nahm. Er ehrte Kunst und Wissenschaft,regierte mit weiser Mäßigung und doch mit Kraft, die Grausam-keit der Visconti aber verschmähend.

Glücklicher denn die übrigen Condotlicri war er auch ge-wissermaßen der letzte derselben, da sie fortan ihre Bedeutungverloren hatten, und die Fürsten hinreichend große Gebiete undHülföquellen besaßen, um aus den eigenen Unterthanen TruppenauSzuheben und zu bezahlen. Während zwei Jahrhunderte langKampf an Kampf, Fehde an Fehde sich reihte, war den Staats-männern endlich klar geworden, wie zum Heile Italiens es keinanderes Mittel gebe, alö ein gewisses Gleichgewicht zwischen dessenStaaten zu erhalten. Dazu trugen die verschiedenen, nicht selteneinander widersprechenden Bündnisse bei, dazu noch mehr dieCondottieri mit ihrem Uebertritt von einem Soldherrn zum an-dern, und der Mächtigste konnte in solcher Weise plötzlich zur