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Dante war sie das Hauptstudium, „das lange Jahre an seinemFleische zehrte", und da ihm als Verbannten die ersten Gesängedes göttlichen Gedichts zurückgegeben wurden, äußerte er: „Eingroßes Werk, meine Ehre für alle Zeit ist mir wieder gegeben" *),sowie er auch hoffte, wegen desselben dereinst die Dichterkronezu empfangen im Baptisterium „seines schönen St. JoanncS".
Pclrarea'S Poesien mußten natürlicherweise sich unter allenStänden verbreiten, weil leicht verständlich und der allgemeinstenEmpfindung gewidmet, während Dante'S Gedicht nicht Sachedcö Volkes war. Kaum aber hatte er die irdische Laufbahnbeendet, als Lehrstühlc errichtet wurden zu seiner Erklärung, undzwar in der Kirche, als einer Stimme, welche die Weisheit pre-digt, das Nachdenken anregt, die Guten anfeuert durch das Bei-spiel, die Lasterhaften beschämt und die in jenen Zeiten so noth.wendigen Begriffe von Ordnung verbreitet. Petrarca wußte,daß der Po, der Tiber, der Arno von ihm kräftige Klagenerwarteten und doch sandte er ihnen nur schmachtende zu, und dadas sentimentale Behaben leichtlich Verstöße gegen den gutenGeschmack herbeiführt, so war er vielleicht gerade durch seinesorgfältige Zierlichkeit die crffe-qUrsache der Abwege, auf welchedie Schriftsteller deS 17. Jahrhunderts (die sog. Seicentistrn)geriethen**), und wirklich fand er eine Menge von Nachahmern,
in seinen Leiden habe er versaßt jene jugendlichen Dichtungen in derVolkssprache, ob deren er nun Reue und Scham empfindet, obzwar selbeSolchen höchlich zusagen, die am nämlichen Uebel leiden (Vam. VIII, 3).Folgendermaßen weist er den Vorwurf, daß er Dante beneide, zurück:„Ich weiß nicht, bis zu welchem Grade auch nur ein Schein von Wahr-heit für die Behauptung vorhanden sein kann, daß ich Neid empfindegegen denjenigen, der sei» ganzes Leben zubrachte mit Dingen, denen ichkaum die erste Blüthe meiner Zahre widmete, ich, der ich mir eine Unter-haltung, ein Ausruhen für Hie Seele und eine Uebung für den Geistsuchte in dem, was für ihn eine Kunst, wenn nicht die einzige, so dochsicherlich die höchste war." Bescheiden fügt er hinzu : „Wen könnte der-jenige benerden, der Virgil nicht beneidet?" (kam. XI, 1L.)
*) Benvennto Zmola über Gcs. VIII des FegfeuerS.
**) ES gehören hieher auch seine zahlreichen Wortspiele über den Name»Laura, seine oft gesuchten, zuweilen die heiligen Gegenstände nicht ver-schonenden Vergleiche. Bembo, so sehr er ihn auch bewunderte, gesteht,er habe seine ersten zwei Sonnette mehr als 40 mal gelesen und dochnickt zu verstehen vermocht, ebenso wenig habe er irgend Jemand ange-troffen, der sie verstanden hätte, wegen der dem Anscheine nach darin ent-haltenen Widersprüche. Bries an Frlir TroPhhmoS, Buch VI.