Band 
Achter Band.
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welche die Flachheit der Ideen und die Kälte der Empfindunghinter die kunstreiche Form des Sonnetts bargen und welche,während das Vaterland Trost oder wenigstens Mitleid heischte,nur süßliche Licbcsklagen hatten. Das Verständniß Dante'Sbedingte ernstere Studien, in der Philologie Behufs Vergleichungund Abwägung der Sätze und Wörter, in der Geschichte, umdie den von ihm geschilderten Katastrophen, vorausgegangenen undsie erklärenden Thatsachen, sowie die Genealogie seiner Heldenaufzufinden, in der Theologie, um das System des Dichterskennen zu lernen, und es nach den Vätern, Mystikern und Scho-lastikern zu beurtheilen, in der Philosophie, um seine Argumen-tacionSweise, die Tiere und Tragweite seiner Ideen, seine Doctrinwürdigen und ergründen zu können; so erschloß er einer auöge-breiteten: und tiefern Kritik das Feld, und Benvenuto daJmola, Boccaccio*) nehmen, wo sie sich mit Dante beschäf.rigcn, einen erhabenen! Flug. Dieser erste Genius der neuernZeit entdeckte, welch ein reicher Kern von tiefsinnigen Ideen undhoher Pocfie versteckt ist unter der rauhen Schaale dcö Mittel-alters, und machte diesen Schatz zum geistigen Gemnngute, wel-cher , stets zum Denken nöthigend, darthar, daß die Dichtkunstnoch aus etwas mehr bestehe als aus leeren Formen und wohl-klingenden Wortverbindungen. Daher sein großer Einfluß aufdie Künste, denn so sehr er auch das Alterthum bewunderte, soglaubte er doch fest an die katholischen Dogmen und bildete sichaus beiden Elementen eine zum Theil eigenthümliche Mythologie,welche fortan eine neue dichterische Grundlage für die bis dahinvon den Künstlern festgehaltenen Ueberlieferungen bildete. Dievon ihm aufgestellte Ordnung der unsichtbaren Reiche erschloßneue Gebiete den Malern, die sogar den Heiligen einen leidcn-schaftlicherü Ausdruck verliehen, statt jener Haltung und Mienepassiver, in sich selbst befriedigter Glückseligkeit, die bis dahinNorm für solche Darstellungen gewesen.

Dante ist der Interpret des Dogma und Sittengesetzeswie Orpheus und Musäuö; Petrarca der Interpret desMenschen und seiner Empfindung wie AlkäuS, Simonideö,

*) Trotz aller Abschweifungen und Declaniatiomn, ist s-ein Leben Dante'Ssehr schätzenswerth, und von seinem Commentar über die „GöttlicheKomödie" ist es trotz vieler trivialen Stellen sehr zu bedauern, daß ernur 17 Gesänge umfaßt.