901
von Prosa und Versen, erzählen 7 Nymphen des alten Etrurienihre Liebesabenteuer und enden jede mit einer Ecloge. Reinrhetorischer Art ist sein Sendschreiben an Pino dei Nossi, umihn zu trösten über daS Elend der Verbannung.
Boccaecio'S Kunst ist eine ganz heidnische. Er beginntdie „Tsosoiäv" mit einer Anrufung der „kastalischen Schwestern,des Helikon glückseligen Bewohnerinnen"; Pamphilus, der dieFiammetta bei der Messe erblickt, wird von Juno angetrieben,sie zu lieben; im „Filocopo" wird der Papst Oberpriester Juno'sgenannt, der von der Menschwerdung von Zeug Sohne redet.Aus gleichen Anschauungen ist sein Meisterwerk, derDecameron,hervorgegangen, ein Buch ohne Sittlichkeit wie ohne Menschlich,keit; denn dessen Grundlage ist, daß, während die Pest die Blüthevon Florenz niedermäht, 7 Damen, die sich mit ihren Liebhabernin der Kirche treffen, übereinkommen, sich auf's Land zurück;»-ziehen, wo sie, um der Angst und des Mitleids loS zu werden,ein fröhliches Leben führen und einander Geschichten erzählen.Die meisten dieser Geschichten sind schmutzigen Inhalts. DasWeib, welches Dante erwählt, ihn zu begeistern und durch den„wilden Wald" deS Lebens zu führen auf der Bahn der Wahrheit,welchem Petrarca den Schleier der Keuschheit und Schwer,muth übergeworfen, hat Boccaccio in eine leichtfertige, vonSinnlichkeit trunkene Metzc umgewandelt, die, bei alle demgläubig und abergläubig zugleich, wohl in die Messe geht, abernur um an ihre Liebesabenteuer zu denken, und welche, währendum sie her der Tod seine reiche Erndte hält, nichts Besseres zuthun weiß als sich zu unterhalten und Novellen zu erzählen.Eheliche Treue und klösterliche Keuschheit werden in diesem Buchebeständig lächerlich gemacht, und der Verfasser, ein Religionsver.ächter mit Ciapvelletko, ein Deist mit dem Juden Mclchisedeck,schmeichelt unausgesetzt der niedrigsten Selbstsucht; seine Charak-tere fügen sich der Gewalt der Leidenschaft ohne jenen Kampf,auf welcher in der Kunst das Dramatische, im Leben daS Opfer,in der Gesellschaft die Ordnung beruht *).
Man hat 10 Novellen in lateinischen Distichen (ax. Leyser) von einemgewissen Adolfus aus dem Zahre 1315. die alle die Ehe verspottenund schlüpfrige Abenteuer erzählen in Boccaccio's Weise. Es istübrigens nachgewiesen, daß die meisten Novellen im Decameron nichtvon besten Verfasser erfunden sind. Man hat sie von den Ungehörigkeitenreinigen oder eine Auswahl davon veranstalten wollen, und man hat