Band 
Achter Band.
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In dem Maße wie der Decameron der verderbten Gesellschaftzusagte, gereichte er den Ernftcrn und Bessern zum Aergerniß,und Pietro Petroni, ein Karthäuser zu Siena, beauftragteauf dem Todbetle seinen Klostcrgcnossen Gioacchino Ciani,den Boccaccio aufzusuchen und ihm in's Gewissen zu reden.Und wirklich machte dies auf denselben einen tiefen Eindruck under gab seinem Leben wie seinen Schriften eine bessere Richtung,ja er warnte vor der Lesung seiner hundert Novellen*) und ver.faßte, gleichsam als Bußwerk, religiöse Dichtungen: aber diesesind vergessen und jene haben sich erhalten zum Aergerniß undzum Verderben vieler Seelen. Dabei mag man immerhin dieformelle Mannigfaltigkeit deS Werkes, seinen Reichthum an Pro.logen, Episoden, Wendungen, Charakteren oder vielmehr allge.meinen Schilderungen bewundern; aber vergeblich wird man indiesem wirklich unerschöpflichen Reichlhume ein Gemälde italie-nischen Lebens und Wesens suchen, vergeblich auch eine lebendigeund beständig spannende Erzählung.

Auf die Schreibart hatte übrigens bis dahin kein Prosaisteine besondere Kunst verwendet; eS genügte ihnen, ihre Ansichtenund Empfindungen, ohne irgend einen andern Schmuck als dendie Einfachheit gewährt, auszudrücken und die Leser anzureden,wie einen vertrauten Freundeskreis. Und diese Form war auch

dabei, wie dies häufig geschieht, blos für unsittlich gehalten, was schmutzigist; aber selbst wenn man die derb unanständigen Schilderungen undStellen entfernt, bleibt doch noch gar vieles, was nicht minder gefährlichist. Es ist auch gesagt worden, man solle die Lektüre des Decameronnur Solchen gestatten, die irgend eine schöne That für das Vaterlandvollbracht haben — dann würde er aber gar nicht mehr gelesen werden.

Er schrieb an Mainardo Eavalcanti: „Ueberlasse meine Novellendenjenigen, die sich dem Ungestüm ihrer Leidenschaften überlassen, derenhöchstes Streben darauf gerichtet ist, allgemein für gefährliche Feinde weib-licher Keuschheit zu gelten. Und willst du nicht Mitleid haben mit derEhre deiner (?) Frauen, so habe wenigstens Mitleid mit meiner Ehre,wenn du mir hinreichend zugethan bist, um Thränen über meinen Kum-mer zu vergießen. Die jene lesen, werden mich für einen schamlosenKuppler, einen blutschänderischen Greis, einen schmutzigen und verläumde-rischcn Menschen halten, dem nichts mehr Genuß ist als die VergehenAnderer auszuplaudern. Nicht überall werden sich Leute finden, die ge-neigt sind, mich zu vertheidigen und zu meiner Entschuldigung zu sagen:Er hat als junger Mensch geschrieben und wurde djazudurch eine gewichtige Autorität genöthigt.