Band 
Achter Band.
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rung. Die aus Konstanunopcl gekommenen Griechen gaben derplatonischen Schule einen frischen Aufschwung, obgleich damit dieIrrthümer des Ncuplatonismuö wieder auflebten und phantastischeMeinungen sich verbreiteren. Marsilio Ficino (1433—91),Sohn eines florentinischcn ArzteS, übersetzte Plato und PlolinuS,jenen in ei» klares Latein, mit einer für die Zeit bcwunderuugs-würdigen Treue, sogar unter Ausfüllung einiger Lücken dcS Ori-ginals, diesen viel dunkler, weil auch der Text dunkel ist undweil F icinuü sich in diesen Mysticismus bis zu einem unter denMännern der Wissenschaft sehr seltenen Grade eingelebt hatte.Nach diesen Vorbildern verfaßte er dann eine Theologie undPsychologie*), worin er die Identität der Wissenschaft mit demGlauben behauptete. Mehr ein Mann der Fantasie und deS Im-pulseS alü kalt spekulativ, ein Ekklektiker ohne Originalität undwahren philosophischen Geist, verwechselte er in seinem Enthu-siasmus Wissen mit Kunst und Tugend. Nach ihm ist die Men-schenscele ein Ausfluß der Gottheit und kann sich mit ihr wiedervereinigen mittelst der Askese; er behauptete die Unsterblichkeitder Seele, weil ohne dies der Mensch daS unglücklichste Wesensein würde, und verwarf die Meinung von einer Wcltscelc. Hin.sichtlich der menschlichen Seele trat er daher den Peripatetikernentgegen, die theils mit Alexander von Aphrodisiaö dieSeele für unzertrennbar vom Leibe und für vergänglich mit diesemhielten, theils mir AverrocS glaubten, sie kehre zu Gott zurückund versenke sich in dessen Wesen.

CoSmo de Medici, auf dessen Kosten Ficino seineStudien gemacht hatte, veranlaßte ihn zur Stiftung einer plato-nischen Akademie, die aus Gönnern, Zuhörern und Zöglingen be-stand und die GeburtStage Plato'S und Cicero'S feierte. Unterden Mitgliedern dieser Akademie ist zu nennen Pleihon Gemi-stioS auS Konstantinopel, welcher zwischen Plato und Christushin und her schwankend, sich ziemlich offen zur eklektischen Schulevon Alexandrien bekannte und halb Christ, halb Heide, gelehrt,aber ohne Kritik, abergläubig ohne festen Glauben war"**); cr

6) l'Ireoloxi» plato,neu, äs immortalits viäelieet uniinarum, ao Wternafelioitate, üb. XVIII.

**) Ueberhaupt gingen diese Philosophen darauf aus, die Wissenschaft wiederheidnisch zu machen, sie nahezu abzulösen von der christlichen Ueberlie-ferung. Man fand unlängst im Acten-Archiv zu Florenz ein Trost-schreiben des Ficino an eine Base, die eine Schwester verloren hatte.