Band 
Achter Band.
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lich, er selbst aber scheint sie allerdings vollkommen beherrscht ;uhaben/ denn nachdem er eine ganze Vorlesung gehört hatte, konnteer sie Wort für Wort und zwar vom Ende an hersagen. Den

Dies beweist schon die Sprache seiner Predigten nud Schriften. Esherrscht durchgängig in denselben das vollkommenste Anschließen des Ge-. dankens an die Form, welche sich Tanker znm Theil erst noch bildenmußte. Die deutsche Sprache war noch wenig sür theologische und meta-physische Gegenstände gebraucht worden: sie war arm an Ausdrückensür Begriffe, welche nicht unter dem Volke lebten; die Mystiker mußtensich daher eine eigene Redeweise schaffen, deren Bestandtheile sie theilsder latein-scholastischen Sprache nachbildeten, theils aus bildlichen, meistbiblischen Redensarten entlehnten. Sämmtliche seiner Predigten schließensich, ganz nach der alten Sitte, an die lateinische Lection der Perikopedes Tages an, welche Tanker seinen Zuhörern deutsch wiederholt. Essind durchgängig Homilie» nach Art der Kirchenväter; der Tert wirdallegorisch oder mystisch ausgelegt, und diese Auslegung mit praktischenAnwendungen begleitet; den Stoff hlczu nimmt Tauler oft aus einem derim Mitwlalter gebräuchlichen Homiliarien. Aus dieser Nainr seinerPredigten erkläre sich der Mangel an Plan in denselben. Im Gegensatzzu dem ausgezeichneten und volksthümlichen Bertholt) waltet bei Tau-ler das innere mystische Element vor; er predigte weniger hinreißend alsBcrthold, und während dieser aus dem freien Felde, auf Hügeln, vorvielen Tausenden seine gewaltigen Worte erschallen ließ, und daher sei-ner Beredtsamkeit einen höher», freieren Schwung geben konnte, fand sichTauler in seiner stillen Klosterkirche natürlich veranlaßt, seinem Hangezur ruhigen Contemplation zu folgen. Unter den deutschen Predigernseiner Zeit aber ragt Tauler als der größte hervor. Da seine Predig-ten eine eigenthümliche geistige Auffassung des Christenthums befördernund die Zuhörer in die innersten Räume des Lebens und Fühlens ein-führen sollten, und sich dazu in der freien Fort» der alten Homilien be-wegten, sind sie weit erhaben über die Predigten aller derjenigen Geist-lichen des 14. Jahrhunderts, welche nicht Mystiker waren. Als Predigersteht Tauler sogar höher als Meister E khart nud überhaupt alle mysti-schen Lehrer dieser Zeit, von welchen Predigten aus uns gekommen sind.Er ist zwar weniger iraiiseendcntal als Ekhart oder Gerhard vonSterngasse, er ist aber christlicher und populärer als diese beiden,während er tiefsinniger ist als der einfachere Nikolaus von Straß-burg, oder der mehr tändelnde Suso. Die Haupteigenschafken derTanler'schen Beredtsamkeit sind deren Lebendigkeit und Eindringlichkeit.Sein begeisterter Eifer oder seine Wehmuth gaben ihm dann herrlicheWorte ein, in welchen sich ein Herz voll der reinstrn, rührendsten Liebeäußert, die selbst dann nicht zu verkennen ist, wenn Tauler, wie es zu-weilen geschieht, in kiiiem Tone der Ironie spricht. Sein Bestreben,einen bleibenden Eindruck auf seine Zuhörer zu machen, zeigt sich Leson-