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» Der Markgraf v. Santillana war der Beschützer des
Juan de Metia (1411—1456)/ eines andern Dichters anJohanns II Hofe/ der in Salamanca und Rom regelmäßigeStudien machte / und des Königs lateinischer Schriftführer wieauch Geschichtschreiber von Castilicn wurde. In dieser Stellungwar er auch eine Art von Hofdichter/ und seine kleinern Gedichtewaren auch zunächst nur für die Hofkreise bestimmt / vom Volkeaber wohl kaum gekannt/ konnten auch diesem bei ihrer Geziert-heit, ihren Wortspielen und undeutlichen Anspielungen nicht zu-sagen. „Sein Gedicht auf die „Sieben Todsünden", von fast 800kurzen Versen, welche in doppelte Rundrcime getheilt sind, isteine Arbeit von größeren Ansprüchen. Es ist aber nur einelangweilige Allegorie voll gelehrter und metaphysischer Träume-reien über einen Kamps zwischen der Vernunft und dem mensch,lichen Willen. So lang es ist, fehlt ihm dennoch der Schluß undder Mönch Gcronimo de Olivares hat noch 400 Verse hin.zugefügt, um diese Erörterung zu einem nach seiner Meinungpaßlichen Schlüsse zu bringen. Beide Theile sind aber so lang-weilig, als die Gottesgclahrthcit jener Zeit sie nur machen konnte.Besser ist seine „Krönung", welche ungefähr 500 Verse in dop-pelten fünfzeiligen Stanzen enthält. Die Benen-
nung rührt daher, daß dieses Gedicht eine eingebildete ReiseJuan de Mena's zum Parnaß enthält, um der Krönung desMarkgrafen v. Santillana alö Dichter und als Held durch dieMusen und die Tugenden beizuwohnen. Es ist demnach eigenslich ein Gedicht zu Ehren seines großen Beschützers, und eS istdaher etwas seltsam, daß cS leicht und fast satirisch geschriebenist. Im Anfange, sowie in anderen Theilen, scheint es ein Gc.genstück zur Göttlichen Komödie zu sein. Die Verse des Gedichtssind fließend und einige Stellen desselben unterhaltend, im Gan-zen aber ist es durch nutzlose Gelehrsamkeit langweilig. Die be-sten Stellen sind die blos beschreibenden. Juan de Mena magaber in seiner „Krönung" beabsichtigt haben, ein Gegenstück zumDante zu liefern oder nicht, so ist es dennoch gewiß, daß er inseinem Hauptwerke „das Labyrinth" Daute's Nachahmer invollem Maße gewesen ist. Dieses lange Gedicht von 2500 Versenist in Stanzen getheilt, deren jede zwei Rundreime enthält, inden den Heldengedichten aller Völker ähnlichen Langzeilen, weilman glaubte, sie heischten größeres Geschick als die kurzen, bisdahin volkSthümlichen Zeilen. Er scheint dieses Gedicht früh an.