Band 
Achter Band.
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und Geschick, wie der Markgraf von Villen«. Dennoch wurdedem „Labyrinth" am Hofe Johanns II große Bewunderung zuTheil, und vor Allem vom Könige selbst. Der König gab sogarden Rath, daS Gedicht solle von 300 Stanzen auf 365 verlängertwerden, und dies aus keinem bessern Grunde, als damit ihreZahl genau mit denen der Tage im Jahre übereinstimme. Auchglaubt man, daß die 24 Stanzen, welche gewöhnlich am Schlüssedes Gedichts stehen, von einem Versuche herrühren, den königli-chen Befehl zu vollziehen. Dem sei aber wie ihm wolle, Niemandwünscht gegenwärtig, daß das Gedicht noch länger sei, als eSbereits ist"*).

Besseres als in der klassischen gelehrten Dichtung und darummehr leisteten indeß die Spanier in den leichten Poesien alsAusdruck flüchtiger, aber wahrhafter Empfindungen, in erotischensowie in religiösen Liedern, obgleich auch diese nicht selten über-künstelt oder gezwungen waren. Eine hervorragende StellungalS Dichter solcher heiterer lyrischer Dichtungen, Gesänge undländlicher Lieder (Iottrilln8, enntnreillos. villrmcicos) nimmtJuan del Enzina (1468/69-1534) ein. Er ward in RomPriester und wegen seiner musikalischen Geschicklichkcit an dieSpitze der Kapelle Lco'S X gestellt, machte eine Pilgerfahrtnach Jerusalem, kam aber in vorgerückter« Jahren inS Vater,land zurück, wo er ein Priorat in Leon erhalten. Er schriebauch eine lange Zeit sehr geschätzte Poetik. Die wichtigsten unterseinen Werken sind aber seine dramatischen Gedichte, wovon elfvorhanden sind und die er selbst „Darstellungen (Keprekentncio-nes)" nannte. Sie haben die Form von Eklogen und eines der,selben wird, ohne sichtlichen Grund, ein Auto genannt. In allenwird gesungen, in einer auch getanzt, und sie können für die An-sänge des rechten weltlichen Schauspiels gehalten werden, we-nigstens haben wir kein älteres zuverlässiges Denkmal desselben.

Zu den merkwürdigsten Erscheinungen auS der Entstehungs-zeit des spanischen Schauspiels gehört die „Celcstina", eine drama-tische Geschichte in Prosa und in 21 Theilen oder Aufzügen,deren erster Theil von einem nicht genau zu ermittelnden Ver-fasser, wahrscheinlich aber von Rodrigo Cota auS Toledo um1480 geschrieben. Dieses Werk kann wegen seiner Länge undganzen Anlage niemals aufgeführt sein, hat aber ächt dramatischen

») Ticknor-Julins, A. a. O.

D. D.