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Geist und Gang und übte unverkennbaren Einfluß auf das Volks-thümliche spanische Schauspiel seit jener Zeit. Die zweite, beiweitem größere Hälfte des Werkes ist von Fernando deRojas. Das Ganze ist mehr ein dramatischer Roman alsein eigentliches Schauspiel/ aber aus der nämlichen Zeit hatEuropa nichts von gleichem Werthe auszuweisen. Das Stück istvoller Leben und Bewegung, die Charaktere sind mit einem Ge-schick und einer Wahrheit, wie sie sich auch in den besten Zeitendes spanischen Schauspiels nur selten findet. Der Styl ist flie.ßend, rein, oft glänzend, die Sprache ein Muster der ächt casti-lischen Sprache, wie sie bis dahin noch gar nicht und auch spä-terhin nicht häufig geschrieben würbe. Die mitunter laufendemüßige Gelehrsamkeit und die plumpen Sitten sind der Zeit bci-zumesscnde Fehler. Freilich geht ersteres bis zu einer schamlosenAusgelassenheit der Sprache und der Gedanken — alles unterdem Vorwande, dadurch die Jugend vor Verführungen und Ver-brechen zu warnen, die so rücksichtloS entschleiert werden. Zwi-schen 1499, dem Jahre des ersten Druckes, und dem Ausgangedes 16. Jahrhunderts erschienen wenigstens dreißig Auflagen inSpanien, dann auch englische, deutsche, holländische Ucbcrsctzun-gen und eine lateinische von Kaspar Barth (Uorrwboseo äi-än8culu8). BiS zu den Tagen des »Don Quixote" ward keinBuch so viel gelesen.
Doch aber gehörten alle diese Erscheinungen nur der Zeitder Morgendämmerung der spanischen Literatur an, deren Sonnemit so strahlendem Glänze aufging, als die Einheit der Nationden Gipfelpunkt ihrer Kraft erreichte. Als Madrid die Haupt-stadt des Reiches geworden, ward die daselbst geredete Sprachedie herrschende GeschäflS- und Lileratursprache und man ver-nachlässigte gänzlich die Limousinische oder provenzalische Mund-art. In catalanischer Mundart haben indeß Ramon Muntanerund andere Chronisten die abenteuerlichen Unternehmungen derCatalanen erzählt, während deren Poesie nichts mehr hervor-brachte nach den Gesängen zu Ehren des Carlos di Diana,deS letzten großen Helden dieses Volkes. Seitdem verschmolzauch seine Literatur mit der castilischen. Diese letztere Spracheerhielt nun auch, nachdem sie ihre feste Umschreibung erhalten,Grammatiken, wie die der Königin Jsabella gewidmete vonAntonio di Nebrija.