Band 
Achter Band.
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Deutsche Literatur.

Die deutsche Lyrik und Epik der mitteldeutschen Periodehaben wir kennen gelernt (Bd. VI — Mittclaltcr Bd. II —Seite 747 u. f. und Seite 769 u. f.). Die Lyrik haben wir vonden Minnesängern bis zu dem Meistergesang verfolgt. Im AnfangdeS 14. Jahrhunderts — sagt Fr. Schlegel — ist die Blütheschon vorüber; von da an geht eine in vieler Hinsicht noch ahn.liche Art zu dichten und die Sprache zu behandeln fort, bis Kai.ftr Maximilian. Die Prosa wird ausgebildeter, die Kunst derVerse geht aber mehr und mehr verloren, die Sprache in derPoesie fällt immer mehr in das Rauhe zurück, und sängt an zuverwildern, bis dann im Anfang des 16. Jahrhunderts mit einerallgemeinen Erschütterung der Begriffe auch eine gänzliche Ver-änderung in der Spräche vorging, die nun eine Art von Scheide,wand zwischen uns und jener ältern Art und Kunst auch in derSprache und Dichtung bildet. „Der Verfall der Poesie erklärtsich am natürlichsten durch die praktischer gewordene Richtungder Zeit; die großen Entdeckungen, die weltbewegenden Erfindun.gen, namentlich der Buchdruckerkunst, wirkten wenigstens in glei-chem Grade verkümmernd auf die Dichtkunst in Deutschland, alsgroße Unglücksfälle; die feindliche Stellung Ludwigs desBayern zum Papste hatte dem Reiche das Interdikt zugezogen;auf wiederholte Ueberschwemmungen, MißwachS und Hungers,noth folgte eine furchtbar verheerende Pest. Je ernster undtrüber die Stimmung war, die dadurch unter den Deutschen er-zeugt wurde, um desto mehr mußte auf eine Zeit lang die Neigungzum Dichten, so weit sie noch vorhanden war, unterdrückt, oder,wenn sie dennoch durchbrach, zur Ergreifung düsterer Gegenständeund zum Ausdruck peinlich ängstigender, in schwerer Buße Bern.higung suchender Gefühle gedrängt werden. Der prosaischeStyl, wenn auch noch oft holperig, hart, auch wohl geschraubtund nirgends eigentlich kunstgerecht, war doch meist lebendigerund natürlicher als der poetische, der bald zur niedrigsten Platt,heit herabsank, bald in der geschmacklosesten Ucbcrladung sichgefiel und nur selten sich eine gesunde Frische bewahrte"*). Mitdem Erlöschen deS ächten VolköbewußtseinS sowie deS ritterlichenGeistes trat an die Stelle des Epos der prosaische Roman unddie Novelle und aus diesen Erzählungen entwickelten sich dann

') Koberstein, Grundriß-c.

D. B.