Band 
Achter Band.
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Dichtungen dieser und der folgenden Zeit, den niederdeutschenReineke Fuchs. — „Während daö „Narrenschiff" seine Rügegegen die Vcrderbniß aller Stände überhaupt, mit mehr Gewichtaber gegen das Ucberheben der untern Stände richtet, so er.schien nun recht zu gelegener Zeit das Gegenstück hierzu, das dieEntartung der weltlichen und geistlichen Höfe geißelt. Der nie.verdeutsche „Reineke FuchS" erschien in Lübeck 1498, der einzigeNebenbuhler des „Narrenschiffs", und um so vorzüglicher alsdieses, als er der Schlußstein gleichsam jener am volksmäßigstenfortgebildeten größeren Dichtung der germanischen Stämme ist,wie das „Narrenschiff" nur der Grundstein einer neuen Dich.rungsart, die noch langhin ohne eigentliche Ausbildung bleibensollte" *).

Gervinus. — „Die früheste Abfassung eines Stückes der Thiersageist lateinisch, unter dem Titel IsonAiimus von einem gewissen MagisterNivardus in Südflandern, im Anfange des 12, Jahrhunderts, wonicht am Ende des 1 l. verfaßt. Dieser Jsengriinus enthielt nur zweiWolsgeschichten: Die vom kranken Löwen, der durch das dem Jsengrimabgezogene Fell geheilt wird, und von der Betfart (Walfahrt) der Gemse,welcher sammt ihrer Gesellschaft Jsengrim nachgestellt hat. Wir sehenhier den Anfang der auch in der Aufzeichnung vor sich gehenden Ver-bindung der einzelnen Sagen, die freilich in der Kenntniß und Traditiondes Volkes an sich längst verbunden waren. — Eine zwecke, etwa fünfzigJahre spätere Aufzeichnung ist gleichfalls lateinisch, in Nordflandern ver-faßt, und führt den Namen koinarclus; sie hat dieselben beiden Erzäh-lungen, welche auch der Jsengrimus hat, außerdem aber nvch zehn andere.In diesem Gedichte treten die satirischen N e b e nbezichungen, zumal aufdas Kirchenregiment und den Papst selbst, sodann aber auch anf dieäußerst feindselig behandelten Cistercienser und ihren Stifter, den heiligenBernhard selbst hervor; der Verfasser muß demnach ein Benediktiner ge-wesen sein. In der Mitte des 12. Jahrhunderts, um dieselbe Zeit, alsin Flandern der Reinardus verfaßt wurde, gelangte die Thicrsage aufdem Wege französischer Abfassung in ihre Heimat nach Deutschlandzurück, und wir haben also hier ungefähr dieselbe Erscheinung wie beidem kerlingischen Epos: Deutsche Stosse gehen nach Frankreich und ge-langen durch fremde Organe wieder in ihre alte Heimat zurück. Nursind in der Thiersage die Stoffe doch reiner beutst — sie waren, wiesich I. Grimm ausdrückt, in der Ueberlieferung weit zäher — alsiu dem kerlingischen Epos ; wir erhalten deshalb das Thierepos ohne allefremdartige Beimischung, wenn man die früher schon berührten NamenauSnimmt, wieder zurückerstattet nach der Ausborgnng in die Fremde.— Der Dichter, welcher bei uns in der Mitte des 12. Jahrhunderts