Band 
Achter Band.
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Drama.

Wir haben noch einen Blick zuwerfen auf die gleichfalls indiese Zeit fallenden Anfänge eines deutschen Drama. ES ge-hören dahin die Volksbelustigungen/ bekannt unter den Namen

diese Rückerstattung durch Unidichtung eines französischen, uns verlorenenOriginals vollzog, nennt sich Heinrich der Glichesäre — ob somit wirklichem oder verstelltem Namen geheißen, bleibt zweifelhaft-Glichesäre bedeutet einen, der sich versteckt, fremde Gestalt, fremden Na-men annimmt — und war im Elsaß zu Hause. Sein Gedicht umfaßtzehn Erzählungen von, Fuchs und vom Wolf, und ist ganz in dem älterenstrengen Styl des 12. Jahrhunderts abgefaßt. Fünfzig bis höchstenssechzig Jahre später, im Anfange des 13. Jahrhunderts, wurde diesesGedicht, „Reinhart Fuchs", von einem Ungenannten in die reineren For-men, welche seit Heinrich v.Valdekin in der deutschen Poesie geltendgeworden waren, umgeschmolzen, doch änderte der Umdichter nicht nurden Stoff nicht, sondern änderte auch die Form nur sehr schonend undvorsichtig. Gegen das Ende des 12. Jahrhunderts, im 13. und 14.,folgt nun eine Reihe französischer Bearbeitungen des Thierepos in ver-schiedenen Abstufungen. Um das Jahr 1250 folgte auch eine niederlän-dische (holländische) Abfassung des „Reinhard" von einem gewissen Willen,(gewöhnlich de Matoc genannt) und diese Arbeit Wille ms wurde,jedoch in weit schlechterem Style, in der Mitte des 14. Jahrhundertsfortgesetzt. Aus dieser niederländischen Abfassung kehrte nun das Thier-epos zum zweiten Male zu uns zurück. Am Ende des 15. Jahrhundertswurde das holländische Gedicht Hoinaort des Willen, de Matoc voneinem in Lübeck wohnenden Westphalen, Nikolaus Baumann, indas Plattdeutsche übersetzt und dies ist das unter dem plattdeutschenNamen „Reineke Vos" bekannte Gedicht, durch welches die ursprünglichehochdeutsche Abfassung, ja sogar der ursprüngliche hochdeutsche NameReiuhart für den Träger der Thiersage völlig in Vergessenheit kam.Diesem im Jahr 1498 gedruckten Gedichte klebt allerdings schon derSprache wegen etwas Komisches an, was die ursprüngliche Abfassungwenigstens in der Art nicht hat, auch sind die satirischen Nebenbcziehnn-gen, dem niederländischen Original gemäß, etwas stärker aufgetragen,als der Thiersage dienlich ist, und ohne Vergleich absichtlicher und häu-figer vorhanden, als in der alten hochdeutschen Fassung. Darauf bildetesich nun in einer Zeit, welche der Satire vorzugsweise zugeneigt war,im 16. Jahrhundert, die Ansicht, als sei das Ganze eine Satire, —nach einer freilich nicht allein völlig unzuverläßigen, sondern lächerlichenKunde noch dazu eine bestimmte gegen den Jülich'schen Hof gerichteteSatire, da der vermeintliche Verfasser Bau mann, oder nach andererVersion, ein gewisser Heinrich v. Alkmar von jenem Hofe beleidigtworden sein sollte; und so hat sich denn der Gedanke an eine Satirewie ein böses Erbübel immer weiter bis in unsere Tage fortgepflanzt.