Band 
Achter Band.
JPEG-Download
 

1016

Ofterpossen, Weihnachtöpossen, GregoriuS-/ Mar-tinö,, Nikolaus feste/FastnachtSluiibarkeiten, Nürn-berger Schönbartlaufen u. A./ anderseits die Sängcrwett-

Im 16. Jahrhundert betrachtete mau das Gedicht als einen Spiegel desHoflebens und that ihm die damals fast unerhörte Ehre an, es ins La-teinische zu übersetzen. Wie viel es dabei gewonnen, ist leicht abznneh-nehmen. Umarbeitungen sind dem „Reineke" aus der erwähnten lateini-schen Uebersetzung im 16. Jahrhundert mehrere, im 17. Jahrhunderteine unter saurer Mühe der Hersdö rfer schen Vcrsmacherei zu Standegekommene, im 18. Jahrhundert eine durch den zu einer solchen Arbeitwenig befähigten Gottsched, zuletzt durch Göthe zu Theil geworden;Göthe's Gedicht entbehrt jedoch zu sehr der Natnrgemäßheit („der na-türlichen einfachen Vertrautheit" sagt I. Grimm), als daß man ausdemselben eine vollständige und richtige Ansicht von der Thiersage schö-pfen könnte (Vilmar, Geschichte der deutschen Nation.-Lit., Bd.I.)." —Wir knüpfen hier Worte eines geistreichen Kenners (Joh. v. Eichen-dorsf, der deutsche Roman des 18. Jahrhunderts in seinem Verhältnißzum Christenthum, Leipzig 1851) an: „Die zwischen Lüdcrlichkeit undmoralischem Redesalm mattgesetzte Poesie kehrt sich nur selbstmörderischgegen ihren eigenen bisherigen Inhalt, gegen das Rittcrthnm selbst, in-dem sie dasselbe nach der neuen Elle praktischer Nützlichkeit mißt und da-her allzn unmenschlich riesenhaft findet. So mackeln R e ina r v. Zweierund Suchen Wirt an den Turniren, der eine wegen ihrer Mordsucht,der andere gerade umgekehrt — wetzen ihrer gefahrlosen Affectativ», undHeinrich der Teich n er bespricht das letzte Aufleuchten des Ritter-thums in der Preußenfahrt des deutschen Ordens schon wie ein moder-ner Philister. Man sieht, das in seine Uebertreibungen phantastisch ge-spreizte Ritterthnm hatte seinerseits allgemach die Rolle des Don Qui-rote, und sein geborncr Schildknappe, die Poesie, nun die des SanchoPansa übernommen. Es ist im Grunde dieselbe Opposition, die dasThierepos von „Reineke Fuchs" so sinnreich ausgeführt hat, welches da-her eben jetzt in Deutschland einheimisch und bei weitem die bedeutendsteund beliebteste Dichtung dieses Zeitalters wurde; die Opposition, näm-lich des sich emanzipirenden Verstandes gegen den ritterlichen Geist desMittelalters, des Realen gegen das Ideale, des klugen Fuchses gegenden alt und matt gewordenen Löwen. Und denselben Gegensatz, ticfer-gretfend und als den letzten Grund aller dieser poetischen Bewegungengewahren wir gleichzeitig endlich auf dem religiösen Gebiet: eine nüch-terne Scholastik neben dem verstandsmnthigen Hinarbeiten nach einemblos praktischen vermeintlichen Unchristenthum bei den Waldensern undandern ketzerischen Sekten, der tiefsinnigsten Mystik und himmelklarenFrömmigkeit eines Tanker und Thomas v. Kempen gegenüber.Allein das wesentlich religiöse Element der Poesie konnte wohl verdun-kelt, aber glicht ausgerottet werden Die Demoralisation von der uns