Band 
Achter Band.
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trarca Kunde von der Novelle „Griselda", die Boccacciobearbeitet hatte und die er dann nachdichtete. Er bereichertesich mit klassischen Reminiszenzcn so wohl wie mit den Liedern derTroubadours. Bald übersetzte er einen Lateiner, bald den Romanvon der Rose, stets aber sich jene politische und religiöse Frei.heit bewahrend, welche den englischen Schriftstellern von jehereigenthümlich, scharfe Hiebe führend gegen die Kirche, als An.Hänger Wicliff's, und gegen die damals so vorherrschendenAuswüchse des Ritterthums. — Aus diesen verschiedenen Quel-len schöpfte er seine „Erzählungen von Canterbury", das ge-schätzteste seiner Werke. Pilger, die in dieser Stadt zusammen-kommen, um das Grab des Thomas Becket zu besuchen,erzählen nach der Reihe Geschichten, um sich nächtlicher Weisedie Zeit zu vertreiben. Aber statt Personen ohne individuellesGepräge, durch den Zufall zusammengeführt, um mit einander zuplaudern, in der Weise des Boccaccio einzuführen, begibt sichChaucer auf ein mehr dramatisches Feld, indem er die ver-schiedenen Stände vertreten läßt durch einen Ritter, einen Land-mann, einen Arzt, eine Aebtissin, einen Mönch, einige Rechts-gelehrte, einen Kaufmann, einen Bettler, einen Ablaßkrämer,einen Koch, einen Seemann, einen Müller u. s. w. So kannman sagen, er sei unter den Neuern der erste gewesen, der eigcnt-liche Charaktere geschaffen; zwar skizzirtc er sie blos, aber dochindividualistrte er sie geschickt, indem er einem Jeden irgendeinen AuSspruch, eine Erzählung in den Mund legte, die für denStand oder Beruf charakteristisch sind. Wie die Sprache so dieverschiedenen Empfindungen und geistigen Eigenthümlichkeiten derSieger und Besiegten verschmelzend, schildert er, dem sächsischenWesen gemäß, die Natur mit Sorgfalt und Gefühl, aber ohnein die Ziererei der Troubadours zu verfallen. Hinsichtlich derGroßartigkeit und Tiefe der Ideen kann er nicht entfernt mitDante verglichen werden, aber Lebhaftigkeit der Phantasie, Un-gczwungenheik und Leichtigkeit der Form, ein glückliches Augefür Sitten und Gebräuche sind ihm nicht abzusprechen. Obgleichein Nachahmer, bewahrte er doch vollständig seine nationaleEigenthümlichkeit. Obgleich Höfling und Gelehrter, erwarb ersich auch den Beifall dcS Volkes, und gelangte noch bei Lebzeitenzu einem Ruhme, den ihm der Tod nicht raubte. Gegenwärtigfreilich theilt er das LooS aller Dichter jener Zeit, mehr bcwun-dert als gelesen zu werden. Vorzüglicher wo er auf das Gebier