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Grundregeln der Perspektive auf: in die Darstellung des mensch-lichen Antlitzes kam mehr Abwechslung, die trockne Starrheitwich der lebendigen Individualisirung, Composition und Gruppi-rung wurden kunstreicher und wahrer. Als Material bedienteman sich noch des Holzes, nämlich dichter und einer feinen Po-litur fähiger Bretter; bedingte die Größe des Gemäldes dessenZusammensetzung aus mehreren Stücken, so überdeckte man siemit Leinwand und trug auf diese einen sehr dünnen Schmelzoder breitete auch zuweilen eine Goldplatte darüber, die dannals Grund diente. Ghirlandajo (f 1495) war der ersteMaler, der einen perspektivischen Hintergrund und statt der vonihm sehr sparsam angewandten Vergoldung, landschaftliche Staf-fagen und Himmel malte; vom entscheidensten Vortheile aberwar die Entdeckung des Verfahrens, die Farben mit Ocl zubereiten.
Oelmalerei.
Dieses Verfahren war den Alten unbekannt geblieben; Be-weis dafür ist, daß PliniuS darüber schweigt; aber im Mittel-alter war es bekannt, denn im 10. Jahrhundert lehrt der Prie-ster Theophilus, wahrscheinlich ein Italiener und unzweifelhaftin Lombardien lebend, in einer Vo enloi-ilius eck sie nrts colo-rnnäi vitra betitelten Handschrift, die Farben mit Leinöl aufzu-weichen, um Häuser und Thüren zu bemalen; damit war aberfreilich der Mißstand verbunden, daß durch die Benutzung einerso schwer trocknenden Auflösung daS Auftragen der Farben sehrbehindert werden mußte. In seiner Abhandlung über die Malereivon 1437 sagt Cennino: „Ich will dich lehren, mit Ocl aufMauerwcrk oder Holz zu arbeiten, wovon die Deutschen sehrhäufig Gebrauch machen". Darauf beschreibt er das Verfahrendes Kochens von Leinöl und dessen Anwendung zum Tcmperircnund Glasiren der Farben. Bekanntlich muß eine in solcher Weisein Oel oder in Tempera*) bemalte Tafel an der Sonne oderin sonst langwieriger Weise getrocknet werden, ehe man andere
*) Bei der Temperamalerei werde» die Farben mit rohem Eigelb gebunden.Diese Malerei hat den Vortheil, das Weichdunkcln zu verhüten und dieTemperafarben zeichnen sich auch durch eine große Klarheit und Frischeaus, aber sie eignet sich nicht zu großen Bildern und macht das bindendeUeberleiten, das sanfte Ineinanderfließen der Farben unmöglich.
D. B.