ihre Freibriefe und Privilegien abgeliefert, die Einkünfte undZölle der Stadt zur Verfügung des Königs gestellt hatten. WiePrag unterwarfen sich die andern Städte; allen wurden schwereGeldbußen auferlegt und die Freibriefe genommen, die sie jedochspäter für Geld und gute Worte wieder erhielten. Den Anstif-lern und vornehmsten Theilnehmern deS AufstandeS ward derProzeß gemacht. Zwei Edle und zwei Präger Rathsherren wurdenenthauptet, acht Bürger von Prag gestäupt und deS Landesverwiesen (1547). Der hierauf gehaltene Landtag erweiterteund befestigte die Rechte der Krone; jedoch gegen eine Bestim-mung, nach welcher der König als Erbhcrr anerkannt werdenund berechtigt sein sollte, noch bei Lebzeiten seinen Erben krönenzu lassen, erhoben die Pikarditen oder strengen Husiten den Ein-spruch, sie könnten nur Christum für ihren Erbherrn halten; zu.gleich erinnerten sie daran, daß der König bei seiner Erwählungausdrücklich das Wahlrecht der Stände anerkannt hatte. Fer-dinand behauptete dagegen, daß er nach dem Erbrechte seinesHauses und seiner Gemahlin zur böhmischen Krone gelangt sei,erklärte jenen bei seiner Erwählung ausgestellten Revers für nich.tig und ließ die bestrittene Verordnung in die Landtafel eintra-gen. Darauf erging, auf Grund der schon früher gegen diePikarditen erlassenen Gesetze, ein strenges Mandat, Laß alleKirchen im Königreiche in ihren vorigen Stand zurückkehren, jenachdem sie früher mit katholischen oder utragmstischen Geistlichenbesetzt gewesen wären, und daß hiernach die Pikarditen sich zueinem dieser beiden anerkannten Bekenntnisse zu halten hätten.In Folge dessen wanderte ein großer Theil dieser Schwärmer nachPolen, wo unter den Jagellonischen Königen völlige Rcligions-freiheit herrschte. Da Ferdinand auch erkannte, daß bei demAufstande weit mehr bürgerliche als kirchliche Gährungöstoffewirksam gewesen, ließ er nicht nur die Magistrate aller Städteerneuern, sondern auch jedem derselben einen königlichen Richtervorsetzen, außerdem erhielt jede der beiden Pragerstädte einenStadthauptmann. So wurde die österreichische Herrschaft inBöhmen durch den Versuch, sie zu stürzen, nur noch stärker be-festigt; doch aber gelang es erst einem zweiten Ferdinand, denkirchlichen und politischen Freiheitsgeist der Böhmen zu brechen.Für jetzt war derselbe nur gebeugt.
Nach der Entsagung seines Bruderö (1556) nahm Ferdi-nand den Kaisertitel an, ohne aber von PaulllV anerkannt zu