Band 
Zehnter Band.
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nichts Anderes übrig, als in einer sogenannten KapitulationS-resolution alle Forderungen zu gewähren. DaS gleiche Zugeständ-niß erzwängen die Böhmen vom Kaiser. Von Matthias be-drängt, hatte er cinc» Landtag ausgeschrieben, den dringendstenBeschwerden abgeholfen und die Ordnung der ReligionSangele-genheit versprochen; da er aber nach der Vcrgleichung mit sei-nem Bruder nicht alsbald dieses Versprechen erfüllte, errichtetendie protestantischen Herren unter Führung des Grafen Matthiasv. Thurn ein „DefensionSwerk", an welchem sich die Schlcstcrbcthciligtcn. Die dreißig zu Landcsobersten erwählten Baronezwangen jetzt den Kaiser, in allen Punkten nachzugeben. DieProtestanten erhielten freie NeligionSübung, ein eigenes Konsi-storium, die Präger Universität die Erlaubniß, neue Kirchen undSchulen nach Bedürfniß anzulegen*). Die Urkunde, welche diesewichtigen Zugeständnisse enthielt, hieß der MajestätSbrief;einen solchen erlangten auch die Schlesier (1609).

Diese ihm durch die Schuld dcS Bruders widerfahrene De-müthigung konnte jedoch Rudolf nicht verschmerzen. Er ver-anlaßte den kriegerischen Erzherzog Leopold, Bischof von Srraß-burg und Passau, mit einem Heere in Böhmen einzurücken, umden abgedrungenen MajestätSbrief zu vernichten, dann Matthiaszu bestrafen, an dessen Stelle der Bischof die Nachfolge in Böh-men erhalten sollte. Aber Matthias schöpfte Verdacht, obgleichder Plan geheim gehalten wurde, rüstete gleichfalls und unter,handelte um Beistand mit den deutschen protestantischen Fürsten.Es wurde zwar noch einmal eine Versöhnung vermittelt, dochblieb dieselbe mehr eine äußerliche: beide Theile verfolgten ihrePläne versteckt weiter; plötzlich rückten die Bischöflichen in Ober-österreich, dann in Böhmen ein und besetzten Prag, obgleich derKaiser ihnen auf Verlangen der Stände den Rückzug gebot. Nunwaffneten auch die Stände und riefen Matthias herbei, wäh-rend Rudolf, jetzt wieder kleinmüthig, die angeblich ihresSoldes wegen nicht abgezogenen bischöflichen Truppen ablöhntc,worauf Leop old zurückging. Matthias aber besetzte seiner,scits Prag und ließ durch die Stände den in seiner eigenen Burg

*) Zn vergleichen über die Religionsstreüigkeiten in Böhmen A- GindelyBöhmen und Mähren im Zeitalter der Reformation. I. Geschichte derböhmischen Brüder. Bd. II, S. Hälfte. Prag, 1858.

D. B.