Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

19

rischen und ealvinistischen Fürsten zu Stande gekommen, derenHauptzweck war, einander gegen die Zurückforderung der Stifterund Klöster beizustchen, und schon damals wie beim nunmehrigen

gleich eine Anzahl eidlicher Knaben von auserwählter Sittenreinheit er-zogen ward. Die Unterrichtsgegenstände waren nicht pedantisch gegeben.Mar lernte auch Orgel spielen bei einem guten Meister, that sich imZeichnen besonders hervor; aus der Drehbank verfertigte er künstlicheArbeiten. — Mit dem 14. Jahr war Mar so weit vorgeschritten, daßer die Universität Jngolstadt besuchen konnte. Bei dem fernere» Vil-dungsplan wurden zwar die Rektoren der Jesuitenkollegien von Jngolstadtund München bisweilen beigezogen, doch gingen die Anordnungen nichtminder streng von dem Herzog selbst aus. Mar studirte fleißig zuHause, wohnte aber auch einigen Vorlesungen bei. Die aristotelischeEthik und Mathematik hörte er bei Jesuiten, denn kein Anderer trugdamals diese Fächer vor. Bald gab ihm der Vater den tüchtigen Juristenund Theologen Joh. Baptist Fickler, der sich schon in großen politische»Verhandlungen ausgezeichnet hatte, als Hauptlehrer bei. Dieser unter-richtete den Prinzen genau in der gesammien Rechtswissenschaft mit be-ständiger Rücksicht aus das bayerische Landrecht und las mit ihm denCicero, A'enophon und Taeitns, um ihn in die Staatswissenschast einzu-weihen. Da Mar geläufig lateinisch sprach, so nahm er fleißig an denöffentlichen juristischen Universitäts-Disputationen a ls Opponent Antheil.Leoncelli unterrichtete ihn in der italienischen Sprache, der berühmte In-genieur Carlo Detti in der Kriegswiffenschaft. Das wurde nun mitallem Ernste getrieben. „Denn ich will gänzlich haben, daß er nichtallein so oben hin studiere, sondern gelehrt werde", gebot der Herzog.Der Prinz sollte gehorchen lernen, ehe er selbst regiere. Deshalb unter-warf ihn Wilhelm II durchaus dem Willen des Hofmeisters FreiherrPhilipp v. Laubenberg. Der Prinz sollte sich daran gewöhnen, daßman ihm zuweilen Erlaubtes abschlage, damit er künftighin wenigerVerdruß empfinde, wenn ihm etwas gegen Erwartung ausgehe. Sobeschränkte der Herzog auch die Jagdlust seines Sohnes, an welcher der-selbe so viel Vergnügen fand. — Im 18. Jahre ( 1591 ) verließ Mardie Universität, von dem Vater nach München berufen, um den Gangder Staatsverwaltung kennen zu lernen. Ernst und bedachtsam wieimmer, benutzte er sorgsam den Rath erfahrner Männer, die er auch inspätern Zeiten niemals vernachläßigte. Nach zwei Jahren trat derjunge Fürst mit einem fangemeffenen Gefolge eine größere Reise an,um auswärtige Höfe kennen zu lernen. Zuerst nach Prag zu KaiserRudolf H. Dann wendete er sich nach Venedig, dann nach Rom,wo er den milden, sittlich strengen General des Jesuitenordens,Claudius Aquaviva, sehr lieb gewann, an der seinen römischen Politikaber wenig Wohlgefallen fand, sah Neapel, besuchte mehrere kleinereitalienische Höfe und ging durch die Schweiz an den befreundeten lotha-