Band 
Zehnter Band.
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Rudolf aber, auf Betreiben von Spanien, daß keinen prott.stantischen Nachbar auf der Gränze des treugebliebenen Flanderndulden wollte, gebietet Stillstand und läßt, da die Prätendentensich dem Urtheilsspruch des kaiserlichen HofrathS nicht lügen, daSHerzogthum von Erzherzog Leopold unter Sequester nehmen.Derselbe rief die Liga um Hülfe an, Neuburg und Brandenburgsetzten die Union in Bewegung. Sie beschloß auf einem Tag zuHall (1610, 11. Februar) bewaffnetes Einschreiten zu Gunstenvon Neuburg und Brandenburg. Gleichzeitig verband sie sich hierauch förmlich mit Heinrich IV von Frankreich. Hier wolltederselbe den Hebel ansetzen zur Ausführung seines Vorhabens,die deutsche Macht des Hauses Oesterreich zu vernichten. Erhatte bereits eine ansehnliche Partei — deren rührigster Agentwar Christian v. Anhalt — gewonnen, die damit einverftan-den war, ihn zum Reichsoberhaupte zu erwählen. Die Mitbe-Werbung des Königs von Dänemark, an den gleichfalls einigedeutsche Fürsten dachten, hinderte ihn nicht, an die Ausführungseiner weittragenden Pläne zu gehen*), für welche er sich daraufberief, daß das westliche Kaiserreich von seinen Vorfahren geftif.tet sei; aber im entscheidenden Augenblicke durchschnitt diese Planedas Messer 'eines Mörders. Dabei hatten die Unionisten bereitseine große protestantische Eidgenossenschaft inS Auge gefaßt, zuwelcher Holland, das eben mit Spanien den zwölfjährigen Waffen,stillstand geschlossen und daher freie Hand hatte, England, Däne-mark und die Schweiz zu ziehen seien. Ja die Machtlosigkeitdes Kaisertums hatte auch eine republikanische Bewegung undPartei erzeugt, die, von Böhmen ausgehend, durch möglichsteBeschränkung der obersten Gewalten und Aufhebung des auf derKirche gegründeten Kaisertums die religiöse und politischeFreiheit zu verwirklichen gedachte**).

*) S. Bd. IX, S. 559 ff. — Wichtig zur Enthüllung dieser Pläne ist einim Archiv der Hofkanzlei zu Wien beruhendes, Hist. pol. Bl., Bd. 27,S. 73 ff., mitgetheiltes Aktenstück: „Vertrauliche Wichtige vommuniea-tioiies allerlay gefährlicher Anschlag im heil. röm. Reich, sowohl wiederdie Kay. May. alß das gantze Hauß Oesterreich vndt andere gehorsambeStände des Reichs." D. B.

**) „Bruchstücke geheimer Schriften sind auf uns gekommen (Wolf, Ge-schichte Marimilians I von Bayern. Il, 325, Ranke, Fürsten undVölker, III, 445), aus welchen man den Schluß ziehen muß, daß um