Band 
Zehnter Band.
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letztere Partei, welche in Heidelberg ihren Sitz und in demjungen Pfälzcr Kurfürsten Friedrich V ein neues und durchseine Vermählung mit Jakob I von England Tochter angesehenesHaupt hatte, in Bewegung; zugleich antworteten die Katholiken,als deren Wortführer die Jesuiten, mit scharfen Hinwcisungenauf die fortgesetzte Verletzung des ReligionSfriedcns. Dazu kamendie Bestrebungen Ferdinands für die katholische Restaurationin seinen Erblanden. Der Bogen war auf'S Schärfste gespannt.Ein geringer Anstoß mußte den Pfeil in Bewegung setzen.

Daß der Territorialheer über den Gottesdienst in seinem be.sondern Gebiet und über die Bestimmung der Kirchen in dem.selben willkürlich'verfügte, ohne auf daS Bekenntniß der Unter,thanen Rücksicht zu nehmen, war damals in Deutschland gewöhnlich.Wohl mehr den» tausend Kirchen waren von Katholiken, Luthe.ranern und Calvinisten bereits nach dem herkömmlichen oder tem.porären Glauben des Gebieters geregelt worden. Nun untersagtein Böhmen der Erzbischof von Prag seinen Herrschaftsuntenha.nen zu Klostergrab, der Abt zu Braunau den seinigcn den Weiter,bau einer protestantischen Kirche. Schon am Landtage von 1615erhoben sich darüber Beschwerden. Matthias ertheilte nurmündlich eine abweisende Antwort. Als aber der Bau dennochfortgesetzt wurde, ließ er durch Kommissäre beide Kirchen schließen,von den Braunauern, die Gewalt entgegensetzten, Einige verhaften.Bei der gereizten Volksstimmung, bei dem rege gewordenen Miß.trauen, da Matthias plötzlich mitten im Winter (1617) von Pragnach Wien übersiedelte nach Einsetzung einer Statthalterschaft(7 Katholiken und 3 Ulraguisten), bei den emsig betriebenen Hetze,reien von Außen, insbesondere von der Unionspartei, und denUmtrieben namentlich des Grafen Matthias v. Thurn, derschon in den Unruhen unter Rudolf und in der Er'trotzung desMajestätöbriefcS eine hervorragende Rolle gespielt hatte, nunaber um so eher geneigt war, dem kaiserlichen Hanse feindseliggegenüberzurreten, als Matthias ihn vor seiner Abreise derBurggrasenstelle in Karlstein, wo die wichtigsten Reichskleinodienund Urkunden, auch der MajestätSbrief, aufbewahrt waren, entsetzthatte — bei alle diesen zusammenwirkenden Umständen und Ein.flössen erzeugte der Vorfall zu Klostergrab in Braunau eine un.geheure Bewegung. ES war eben die wahrnehmbare Kraft,welche die Kugel rollen machre; auch Minderes würde sie in Be.wegung gesetzt haben, da sie kaum länger in Ruhe verbleiben