Kaiser Matthias war hülfslos — auf die Kunde von demzu Prag Verübten ließ übrigens der König von Spanien 300,000Gulden, mit denen er beim Kaiser in Rückstand war, ausbezahlen,
der Kirche anklagten, sähen nicht den Balken im eigenen Auge. Werhabe zur Zeit des Königs Wenzel gerathen, die Präger Rathsherren ausdem Fenster zu stürzen? Wer habe die Taboritrn wider König Sieg-mund zum Aufruhr verhetzt? Wer habe zur Zeit Kaiser Ferdinands inBöhmen die Unruhe gestiftet? Wer habe den Kaiser Rudolf im PrägerSchlosse gleichsam gefangen gehalten, und ihm den Majestätsbrief abge-zwungen? Wer habe zn Prag in allen Hussitischen Kirchen eine giftig«Schrift von den Kanzeln ablesen lassen, welche, unter dem Scheine einerErmahnung zum Gebet, nichts als ein Blasebalg oder eine Trommelzum Aufruhr gewesen? Wer habe des Kaisers Statthalter und Beamtezum Fenster hinansgestürzt? Wer habe, znr Vertheidigung eines solchenStückes, Kricgsvolk geworben? Wer das znr Ablösung der Schulden desLandes bestimmte Geld an sich gezogen; wer die Hauptleute und Be-fehlshaber auf des Kaisers eigenen Gütern und Herrschaften in Eid undPflicht genommen? Wenn also den Jesuiten von ihren Widersachern enl-gegengeschrieen werde: Bist du der, der Israel verwirret? so sei dieAntwort schon fertig: Nicht ich, sondern du und deines Vaters Hansverwirrt Israel, die ihr verlassen habt Gottes Gebot und den Glaubender Väter. — Aul den Vorwnrf, daß sie die Gewalt des Papstes überAlles zn erhöhen trachteten, hätten sie zu erwidern, daß diese Gewaltzweierlei, eine zeitliche und eine geistliche sei. Die erstere beziehe sichblos auf den Kirchenstaat, und es falle den Jesuiten nicht eis, derselbeneine weitere Ausdehnung geben zu wollen. Die mächtigsten und aufihre Gewalt eifersüchligsten Potentaten der Christenheit pflegten fort-dauernd den Orden, den sie ausgenommen, beschenkt und durch ihr«Gunsterweisungeu ernährt hätten» was sie nimmermehr thun würden,wenn sie merkten, daß die Jesuiten darauf ausgingen, sie um Land undLeute zn bringen, und solche dem Papst unterwürfig zu machen. Da-gegen hätten sie kein Hehl, daß sie der geistlichen Gewalt des Papstes,welche auf Beförderung der ewigen Seligkeit gerichtet sei, nach dem Zweckihrer Gesellschaft, alle Königreiche und Länder dieser Welt zu unter-werfen wünschte» ... Für solches Bemühen Verbannung zu leiden,rechneten sie sich zur Ehre, nicht znr Schmach. Daß sie diejenigen fürKetzer hielten, deren Glaube mit der römischen Kirche nicht überein-stimme, sei dem Urtheil dessen gemäß, welcher befohlen habe, denjenigen,der die Kirche nicht höre, für einen Heiden und Zöllner zu hallen.Luther selbst habe einen großen Theil derer, die sich jetzt unter denUtraquisten befänden, die Pikarben und Calvinisten, für Ketzer erklärt,und von ihren Widersachern würden die Katholischen für Heiden undAbgötter, der Papst aber für den Antichrist ansgeschrieen: warum soll-ten die Jesuiten ihre Gegner nicht Ketzer nennen? Doch werde von ihnen