87
hcrnttalent dem Prinzen Christian und Mansfeld ein voll.kommen ebenbürtiger Gegner war*). — Durch den kaiserlichenFeldhauplmann, den der Kurfürst von Bayern gleichsam auf denSchauplatz rief, nahmen seine eigenen Pläne allerdings eineschlimme Wendung, aber der einzige Fürst, der im Laufe deSdreißigjährigen Krieges geordnete Finanzen hatte, konnte nichtahnen, daß ein böhmischer Edelmann über die großartigen Geld.Mittel verfügte, um ein Heer von 60,000 Mann auf die Beinezu bringen, noch weniger konnte irgend jemand voraussehen, daßderselbe Mann den zweischneidigen Verstand und die Kühnheitbesitzen werde, um die Vortheile, welche ihm seine Schätze vcr.schafften, mit so fürchterlichem Nachdruck zu gebrauchen!**)
H. Leo, Universalgeschichte. D. B.
**) Aus einem, zum Böhmischen Herreustand« gehörigen Geschlechte, deutscherHerkunft und Mraguislischen Glaubens, im Zahr 1563 geboren, warAlbrecht von Waldstein, als zehnjähriger Knabe verwaist, von einemkatholischen Oheime mütterlicher Seite den Zesuiten in Olmütz znr Er-ziehung übergeben, und von diesen der katholischen Kirche zugeführtworden, halle dann in Padua und Bologna stndirt, dem Kaiser Rudolfin Ungarn, später dem Erzherzoge Ferdinand in einem Krieg gegenVenedig gedient, und sich durch ein geschickt ausgeführtes Unternehmen,mittelst dessen er die eng eingeschlossene Festung Gradiska mit Zufuhrversah und rettete, einen Namen gemacht. Seinen durch eine Heirathmit einer in Mähren begüterten Gräfin erlangten Reichthum benutzteer, durch Geschenke und Bewirthung die Zuneigung der ihm untergebe-neu Soldaten zu gewinnen. Auch die Gunst des Hofes blieb dem Glück-lichen, der zugleich in trüber Zeit Treue und Eifer bezeigte, nicht aus.Als mährischer Landstand mit einem von den Ständen dieses Markgraf-thums geworbenen Regimente betraut, erklärte er sich bei dem böhmi»scheu Ausstande sogleich und mit voller Entschiedenheit für die Sachedes Kaisers, kehrte sich weder an die Beschlüsse des manschen Landtagsnoch au die Befehle der böhmischen Direktoren und legte dem Vorrücken-den Thür» so viel Hindernisse, als er konnte, in den Weg. Nach seinerFlucht wurde er von den mährischen Ständen seines Regiments entsetztund König Ferdinand, durch die Drohung, daß sie sich an dem Car.dinal von Dietrichstein für die dem Lande entführte Kasse schadlos hal-ten würden, genöthigt, das mitgebrachte Geld zurückzusenden. Wallen-, stein errichtete nun ein Regiment Kuirassire und war mit diesem in demböhmischen Kriege thätig, besonders zur Wiedergewinnung Mährens, beiwelcher Bucquoi und Dampierre ihren Tod fanden. Nachher, 1623,diente Wallcnstein unter dem Marchese Caraffa di Montenegro gegenBethlen Gabor in Ungarn. Für die Unkosten, die er während des