93
eine Schlacht erwartet, als dem König ein schwerer Unfall begeg.nett. Ende Juli (1625) wollte er nämlich in der Abenddämme,rung zu Pferde die Wachen auf den Wällen der Stadt mustern,als er in eine mit Brettern überdeckte tiefe Grube stürzte. DasPferd blieb auf der Stelle todt, der König selbst war durch dienachstürzende Erde so überschüttet, daß eine geraume Zeit ver.ging, ehe man ihn herausziehen konnte. Drei Tage lang blieber sprach, und bewußtlos, dann erhielt er den Gebrauch derSprache wieder, erst allmälig zeigten sich die Spuren rückkeh.render Vernunft. Die erschreckten rathloscn Hofherrcn und Ge.ncrale ließen den kranken König nach Bremen abführen; denOberbefehl zu übernehmen, wie ihm dem Range nach zukam, ge.traute sich der Herzog Friedrich Ulrich von Wolfenbuttelnicht; er trug auf Rückzug deS HecreS an und derselbe ward soeilig in daS Gebiet von Verben bewerkstelligt, daß man versäumte,in Hameln eine Besatzung zurückzulassen. Tilly nahm die Stadt,zog dem Feinde nach und belagerte Ntcnburg, während die Partei,wüth in diesen Gegenden alle ihre Greuel entfaltete, obgleich derOberfeldherr der Liga alles that, um unter seinen durch dieBarbarei der Bauern erbitterten Soldaten MannSzucht zu er.halten. Inzwischen übernahm zwar König Christian den Be.fehl wieder, aber zu deutlich zeigte sein Handeln fortan, daß derUnfall Spuren in seinem Geiste zurückgelassen. Er hatte ebenRienburg entsetzt, wo sich die Ueberreste der Haufen des Halber.städterS mit ihm vereinigten, alö Wallen stein auf dem Kriegs,schauplatz erschien. Eine sonderbare Vorhut verkündete seineAnnäherung: Berittene Zigeunerbanden von 15 bis 20 Mann,bis an die Zähne bewaffnet, zogen ihm auf ungebahnten Wegenvoran, legten sich in Gebüsche und Wälder, kundschafteten Allesaus, plünderten, wo sie keinen Widerstand fanden. Hätte nunWallensteiu mit dem Bundesheere sich vereinigen wollen, sowürde der dänische Krieg schwerlich mehr lange gedauert haben.Aber die Vereinigung kam nicht zu Stande, und der kaiserlich«Feldherr schlug dem Bundesfeldherrn die verlangte Hülfe unterdem Vorwand ab, er müsse ManSfeld, der durch Brandenburggegen Sachsen, Schlesien oder Böhmen zu ziehen beabsichtige,mit ungeschwächter Macht im Auge behalten. Indem Wallen,stein alsbald gegen Tilly, den damals ohne Frage glorreichstenFeldherrn in Europa, einen müßigen Streit über den Vorrangerhob, wurden beide Heere einander mehr und mehr entfremdet,