108
anfange, diesen Bestand den Bedingungen jenes Friedenö gemäßwieder herzustellen. Hier und dort halten in dieser Beziehung,die von einem gewaltsamen Katholischmachen der Unterthanen
Gutem zu gewinnen. Nicht die Theologen, sondern der Kaiser odereinige katholische Reichsfürsten sollten es versuchen. Man beabsichtigtedavon auszugehen, daß die Vorstellung, die man im nördlichen Deutsch-land vom Katholicismus hege, irrig, daß die Abweichung des umgeän-derten augsbnrgischen Bekenntnisses von der ächt katholischen Lehre nursehr gering sei. Den Kurfürsten von Sachsen hoffte man dadurch zngewinnen, daß man ihm das Patronat der drei Hochstister seines Ge-bietes überlasse-— Ein Gedanke, den man in Rom mit Lebhaf-
tigkeit ergriff und zu einem ausführlichen Projekt ausarbeitete." Ranke,die römischen Päpste, Band II, Buch VIII, Kap. 3. — Nicht zu leug-nen ist der Einfluß, den die Jesuiten auf das Restitntions-Edlkt aus-übten, aber nicht zu verantworten ist es, ihnen bei der Anraihung dieserMaßregel selbstsüchtige Absichten unterzuschieben. Ihnen war eine Re-stitution der seit dem Paffauer Frieden widerrechtlich in protestantischenBesitz gekommenen geistlichen Güter eine Znrückführung auf den frühernZustand, der erste und bedeutendste Schritt, in ganz Deutschland denkatholischen Glauben wieder herzustellen. „Ich werde nicht aufhören, be-scheiden daran zu erinnern, so lange zu erinnern, bis Abhülfe geschafftwird, sowie ich überzeugt bin, daß Ew. Maj. in Folge Ihrer ausge-zeichneten Frömmigkeit wirksam verfügen werden, daß es geschehe" (näm-lich die Erneuerung der Pfarreien und die Herstellung der Seminarienund Schulen, damit die Jugend im katholischen Glauben unterrichtetwerde) — sagt P. Lamormain in einem Gutachten vom Mai 1630über die Verwendung der Güter im sächsischen Kreise. (Unter den vonMailaih aus dem kaiserlichen Archive mitgetheilten Aktenstücken. Aus-geführt im Bd. IV, Heft VI. der Berliner Zeitschrift für Geschichtskund«von Dr. Schmidt. „Deutschland und Gustav Adolph" von Dr. Rud.KLpke). Der Kaiser, den neuen Orden, denen er die Regenerationder Kirche vorzugsweise zutraute, sehr gewogen, wünschte auch die Jesui-ten in den Besitz eines Theiles der eingezogenen Güter zu setzen, damitsie dieselbe» verwendeten zu Seminarien, Kollegien, Schulen und Mis-sionen. Nach Ranke hatte indeß der zur selben Zeit zwischen Kaiserund Papst eingetretene Zwiespalt zur Folge, daß Urban VIII, der aufseinem Standpunkte mit vollkommenem Rechte in der Ausführung desEdiktes nur eine Pflichterfüllung sah, dem Kaiser hierin nicht willfährigsich bezeigte. „Der Kaiser wünschte die zurückerworbenen Klöster in Kolle-gien besonders für die Jesuiten verwandeln zu können. Der Papst ant-wortete, die Klöster müßten zunächst den Bischöfen überantwortet werden."— Daß P. Lamorniain zum Restitutions-Edikt gerathen, um seinenOrden gleichsam durch einen Handstreich ins Ungeheure zu bereichern an