Band 
Zehnter Band.
JPEG-Download
 

nicht anders, weil schon vorher in Negensburg ein Beschluß derKurfürsten, dem auch Sachsen bcigetreten war, über Vertagungdieser Angelegenheit vorlag. Indeß ist zu bemerken, daß der ausWalle nstetn'S in sächsische Dienste als Feldmarschall über.getretene Graf v. Arnim auf den Kurfürsten keinen guten Ein.fiuß ausübte. Leider arbeitete aber auch eine unkluge Maßregel,die Unterdrückung der freien Religionsausübung der Evangelischenin Augsburg, dem Schwedenkönige förmlich in die Hände. Die.selbe trug nicht wenig dazu bei, Sachsen, den ersten evangelischenReichsstand, der nun in Leipzig die übrigen ReichSstände seinerKonfession zu einer demonstrirenden Versammlung berief (1630,Februar), woraus ein Bund hervorging, auf die Seite GustavAdolf's zu führen, dem sich jetzt auch der Landgraf von Hessen.Kassel offen anschloß. Andererseits hatte daö bewaffnete Zusam.mentreten der protestantischen ReichSstände unter dem VortritteSachscnS, welches die Absicht errathen ließ, den König vonSchweden als Stützpunkt zu benutzen, die Folge, den Zwiespaltdes Kaisers und der ligistischen Opposition vollends hinweg;»,räumen, und daö Beiden gemeinsame katholische Interesse nahmseine frühere Stellung wieder ein.

Indessen hatte Tilly mit seinen sehr mäßigen Strcükräftensich veranlaßt gesehen, Frankfurt a. O. aufzugeben, um im brau.denburgischen Kurstaate eine Aufstellung zu nehmen, die einBündniß des Kurfürsten mit Schweden so lange wie möglich ver.hindere, und rückte dann nach Meklenburg vor. Aber da er eineSchlacht mir dem überlegenen Feinde vermeiden wollte, wandteer sich gegen Magdeburg, um durch Einnahme dieser Festung dieElbe zu behaupten. Gustav Adolf eroberte Frankfurt a. O.und Landsberg a. d. Warthe (1631, April), aber Magdeburgzu schützen, diesen immer glühenden Feuerhecrd evangelischerAgitation, war aus militärischen wie politischen Gründen un.gleich wichtiger. Der Kurfürst von Sachsen hätte Magdeburgso leicht entsetzen können wie der Schwedenkönig. Allein Erstererwollte nicht, auS Aerger darüber, daß thatsächlich der Branden,burgcr Christian Wilhelm und nicht sein eigener Sohn alsgewählter Administrator daö Erzstifr inne haue. Gustav Adolfaber zögerte aus List, weil er durch die Gefahr der Stadt diebeiden Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, zunächst denletzteren, der noch schwankte, auS ihrer Neutralität herauSzwingen